Orientalische Christen sind "Brücke zwischen Christentum und Islam"

Kardinal Schönborn betont bei internationaler Konferenz "Europe and the Arab World" in Wien die Bedeutung der arabischsprachigen Christen für den interreligiösen Dialog - Frage der Mission im Dialog zentral - Österreich ist "Ort der Begegnung und Drehscheibe des Dialogs"

Wien, 19.12.08 (KAP) Die orientalischen Christen arabischer Sprache könnten heute eine "Brücke der Verständigung und des Friedens" zwischen Europa und der Arabischen Welt darstellen. Dies betonte der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, am Freitag bei der internationalen Konferenz "Europe and the Arab World", die vom 17. bis 19. Dezember in der Wiener Hofburg stattfand. Zugleich stelle die "Gewährleistung des Lebensrechtes" der orientalischen Christen - "die großen Vergessenen im heutigen Geschichtsbewusstsein" - eine "Grundvoraussetzung für den europäisch-arabischen Dialog" dar, betonte der Kardinal.

Derzeit erfülle ihn der Blick auf die Situation der orientalischen Christen jedoch "mit Trauer und Schmerz". In dieser Situation seien Europa und die Arabische Welt aufgefordert, die Förderung des arabischsprachigen Christentums im Nahen Osten zu einem "Herzensanliegen" zu machen und so den guten Willen zum Dialog und zur Verständigung zum Ausdruck zu bringen, so der Kardinal.

Der Wiener Erzbischof erinnerte daran, dass es die orientalischen Christen waren, die "durch ihre Übersetzungstätigkeit der arabisch-muslimischen Welt die Schätze der Antike erschlossen haben. Viel Plato und Aristoteles sei dank ihnen auf dem Umweg über die arabisch-islamische "Umma" in das Abendland gleichsam "zurückgekehrt".

Ein Blick auf die Geschichte "ohne die Scheuklappen des 19. Jahrhunderts" zeige, dass das Mittelmeer nie eine "Grenze", sondern vielmehr eine "Brücke" zwischen Christentum und Islam dargestellt habe. Kardinal Schönborn wörtlich: "Auch nach dem Auftreten des Islam gab es rund um das Mittelmeehr nichts anderes als eine in ihrem Verlauf ständig wechselnde Demarkationslinie, die aber den kontinuierlichen Austausch von Menschen, Gütern und Ideen nicht behindern konnte". Über Jahrhunderte hinweg sei so eine "intensive kulturelle und wissenschaftliche Auseinandersetzung" möglich gewesen, der u.a. die Entstehung des europäischen Universitätssystems zu verdanken sei.

Einen zentralen Platz im interreligiösen Dialog zwischen Christentum und Islam müsse heute die Frage des jeweiligen Missionsverständnisses einnehmen, so der Kardinal weiter. Das werde auch Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Europa und der Arabischen Welt haben. Beide Religionen seien "missionarische Religionen" und von einem "universalen Missionsauftrag" geprägt. Beide Religionen seien jedoch zugleich angehalten, mit ihrem Missionsauftrag so umzugehen, "dass sie ihm einerseits nicht untreu werden, aber andererseits seine Kompatibilität mit den Anforderungen einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft erweisen", so Kardinal Schönborn. Eine "Flucht in einen flachen Säkularismus" sei in dieser Situation "nicht hilfreich".

Kardinal Schönborn unterstrich die Rolle Österreichs als ein zentraler "Ort der Begegnung und Drehscheibe des Dialogs". Bereits bei der ersten, vom damaligen Außenminister Alois Mock ins Leben gerufenen Dialogkonferenz habe es eine enge Zusammenarbeit mit einer kirchlichen Institution - dem Religionstheologischen Institut St. Gabriel in Mödling - gegeben, erinnerte Kardinal Schönborn.

Es sei sehr zu begrüßen, dass Österreich "das erste Land ist, das jetzt eine Folgeveranstaltung zur ersten Außenministerkonferenz der EU und der Arabischen Liga auf Malta im Februar" veranstaltet hat. (forts)
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