Leserbrief von ORF-Unternehmenssprecher Pius Strobl zum Kommentar von Peter Kirchweger im "Standard" vom 19.12.2008

Wien (OTS) - Mit folgendem Leserbrief von ORF-Unternehmenssprecher Pius Strobl reagiert der ORF auf den Kommentar "Ablenkender Fußtritt gegen die Politik" von Dr. Peter Kirchweger, Pressesprecher von Landeshauptmann Erwin Pröll, erschienen am 19.12.2008 im "Standard":

"Ist Armin Wolf auch schuld am Klimawandel, Herr Dr. Kirchweger?

Einmalig ist der Leserbrief von Peter Kirchweger, Pressesprecher des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll, in zweierlei Hinsicht: Erstens ist es ohne Beispiel, dass ein offensichtlich missliebiger Journalist von politischer Seite in aller Öffentlichkeit gemaßregelt wird. Aber sei es drum: Das richtet sich von selbst und wirft ein bezeichnendes Licht auf die Wertschätzung öffentlich-rechtlicher Unabhängigkeit in manchen Gegenden der politischen Landschaft Österreichs. Zweitens ist der Kommentar so von Unwahrheiten durchsetzt, dass man fast an schlichte Uninformiertheit statt vorsätzliche Desinformation glauben möchte. Deshalb sind einige Fakten richtigzustellen:

Finanzielle Verluste aus sinkenden Werbeeinnahmen resultieren aus der Finanz- und Konjunkturkrise. Sie treffen derzeit fast alle werbefinanzierten Marktteilnehmer, auch den ORF. Armin Wolf hat mit der Finanzkrise jedenfalls nach meinem Wissensstand nichts zu tun. Dass bei dieser Gelegenheit wieder einmal daran erinnert wird, dass Bund und Länder ein Drittel dessen kassieren, was die österreichischen Gebührenzahler Monat für Monat an sogenannter 'Rundfunkgebühr' bezahlen, scheint mir nicht unbillig. Und dass der Bund Gebührenbefreiungen zugesteht, die aber der ORF finanziert. Es stimmt schon, dass dem ORF dieser Entgang noch nie refundiert wurde, wie dies etwa bei den Befreiungen von der Telefongebühr ganz selbstverständlich der Fall ist - genau das ist ja das Problem.

Der 'Seherschwund dramatischen Ausmaßes' findet definitiv nicht statt. Das ORF-Fernsehen liegt im heurigen Jahr bei einem Marktanteil von 39,3 Prozent in den Konkurrenzhaushalten und damit exakt auf dem Vorjahresniveau. Dass Reichweiten und Nutzungszeiten je Mitbewerber in Zeiten explodierender Konkurrenz zwangsläufig geringer werden müssen, kann man sich auch im niederösterreichischen Landhaus mit dem Rechenschieber ausrechnen: Wenn sich drei einen Kuchen teilen, werden die Stücke pro Kopf kleiner, als wenn dies zwei tun. Armin Wolf kann nichts dafür.

Vollends hanebüchen ist die Behauptung, die ORF-Digitalisierung würde die österreichischen Haushalte mit 100 Euro belasten. Die Digitalisierung der terrestrischen TV-Übertragung in Österreich wurde von einer ÖVP-geführten Bundesregierung initiiert. Davon betroffen waren nicht einmal 15 Prozent der österreichischen TV-Haushalte, die noch über Antenne fernsahen, der Rest empfängt nämlich via Kabel oder Satellit. Die angebliche Belastung von 100 Euro je österreichischen Haushalt ist also frei erfunden. Armin Wolf kann nichts dafür.

Er und auch alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ORF sind im Übrigen auch nicht für den Klimawandel verantwortlich! Pius Strobl, ORF-Unternehmenssprecher"

Rückfragen & Kontakt:

ORF-Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
(01) 87878 - 12228

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GOK0002