Armutskonferenz drängt auf Umsetzung der Mindestsicherung

Armutskonferenz gegen "rechtswidrige Praktiken" beim Vollzug der Sozialhilfe in den Ländern - Neue Publikation zeigt Stigmatisierung und Beschämung im Umfeld von Armut auf

Wien, 19.12.08 (KAP) Die Armutskonferenz drängt weiter auf die Umsetzung einer bedarfsorientierten Mindestsicherung, "die diesen Namen verdient". Wie die Armutskonferenz in einer Aussendung am Freitag betont, bedürfe ein Konzept der Mindestsicherung jedoch klarer Kriterien. "Es kann keine Mindestsicherung geben, die diesen Namen verdient, ohne dass die tatsächlichen Wohnkosten für die Betroffenen abgedeckt werden, ohne die Sicherung österreichweiter Standards bei existenziellen Nöten in besonderen Lebenslagen, ohne eine Reform des Vollzug der Sozialhilfe in den Ländern und ohne Reform der aktiven Arbeitsmarktpolitik", heißt es in der Aussendung.

In ihrer Publikation weist die Armutskonferenz

Darüber hinaus weist die Armutskonferenz auf die Notwendigkeit hin, "eine österreichische Gesundheitsstrategie gegen den frühen Tod und das hohe Krankheitsrisiko Armutsbetroffener zu entwickeln". In vielen Fällen zeige sich, dass die Stigmatisierung, die in Armut lebende Menschen wie Arbeitslose, Mitarbeiter von Straßenzeitungen, psychisch Erkrankte und Menschen mit Behinderungen aufgrund ihrer jeweiligen Lebenssituation erfahren, sich auch negativ auf die Gesundheit niederschlägt. Im offiziellen österreichischen Gesundheitsbericht kämen sozioökonomische Analysen und Strategien bisher jedoch nicht vor. In anderen EU-Ländern gebe es schon Erfahrung mit einem umfassenderen Vorgehen, dort seien größere Programme zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit im Laufen.

Schule: Durchmischen statt gleichmachen

Auch im Schulsystem gelte es anzusetzen, denn "eine Schule, die nicht sozial ausgrenzt, ist zentrale Voraussetzung für Armutsbekämpfung und Aufstiegschancen von Kindern aus benachteiligten Familien", so die Armutskonferenz in ihrer Aussendung. Die Schule stelle jenen Ort dar, an dem die "Vererbung von Armut" durchbrochen werden könne, indem Bildungschancen nicht nach dem Einkommen der Eltern sondern nach dem tatsächlichen Talent des Kindes bemessen werden. Hierzu sei es jedoch notwendig, Schüler "in durchmischten statt in 'gleichgemachten' Klassen individuell zu fördern".

"Wir sind keine Bittsteller, wir wollen Respekt"

Präzisiert findet sich diese Forderungen in der Publikation "Schande Armut. Stigmatisierung und Beschämung". Die von der Armutskonferenz herausgegebene Publikation fasst die Ergebnisse der siebenten österreichischen Armutskonferenz 2008 zusammen.

Bei der Konferenz war u.a. über Strategien gegen "rechtswidrige Praktiken" beim Vollzug der Sozialhilfe in den Ländern beraten worden. In auf Dienstleistung angelegten Behörden wie den Sozialämtern oder beim Arbeitsmarktservice, aber auch bei Gesundheitseinrichtungen und in Schulen müssten die Betroffenen immer wieder herabwürdigende Behandlung und Beschämung erleben, so die Armutskonferenz. Der Sammelband arbeitet hingegen heraus, dass von Armut betroffene Menschen nicht als Bittsteller verstanden werden wollen, sondern nach einem respektvollen Umgang verlangen.

Das Buch "Schande Armut. Stigmatisierung und Beschämung" fasst die Ergebnisse der siebenten österreichischen Armutskonferenz 2008 zusammen und ist zu beziehen unter Tel.: 01/402.69.44 bzw. via Internet www.armut.at/armutskonferenz-armutsforschung-publikationen.htm. (ende)
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