Nuntius: Christentum ist in Österreich sehr lebendig

Erzbischof Farhat nahm in "Radio Stephansdom"-Interview auch zum Verhältnis von Christentum und Islam Stellung

Wien, 19.12.08 (KAP) Als "sehr lebendig" hat der Apostolische Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat, das Christentum in Österreich bezeichnet. In einem Interview mit "Radio Stephansdom" zog Farhat eine sehr positive Bilanz über seine dreijährige Amtszeit im Land. Trotz aller Probleme, die die Säkularisierung und die Globalisierung mit sich bringen, seien die christlichen Wurzeln in Österreich deutlich vorhanden "und sie werden wieder Frucht bringen", sagte der Nuntius.

Notwendig sei aber - für Österreich wie für ganz Europa - eine neue Mission. Die Fundamente des Glaubens müssten den Menschen wieder näher gebracht werden. Zum einen auf der Ebene der rationalen Vermittlung, zum anderen müsse die christliche Botschaft aber vor allem vorgelebt und bezeugt werden, so Erzbischof Farhat.

Als herausragendes Ereignis seiner Amtszeit bezeichnete Farhat den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Österreich im September 2007. Es sei beeindruckend gewesen, mit welcher Liebe die Gläubigen in Österreich den Papst aufgenommen hätten. Die Menschen würden Benedikt XVI. vor allem deswegen so gerne zuhören, weil der Papst "klar und mit Tiefgang" über Glauben und Kirche spreche. Letztlich habe jeder Mensch ein inneres Verlangen nach Transzendenz.

Auf den Islam angesprochen, betonte der Nuntius, dass man den Muslimen mit Respekt begegnen und ihre Würde achten müsse. Der Islam als Religion sei aber als "Gegenentwurf" zum Christentum zu charakterisieren. Problematisch sei auch, dass im Islam Glaube und Spiritualität nicht getrennt von Politik zu sehen ist. Die westliche Art der Trennung von Kirche und Staat sei für Muslime so nicht vertretbar, bedauerte Farhat. Zugleich betonte er, dass der Dialog und die Auseinandersetzung mit dem Islam wie auch mit anderen Religionen außerordentlich wichtig sei. Dazu müssten die Christen aber über ihre eigene Religion profund Bescheid wissen. Christus immer wieder neu zu entdecken, sei Aufgabe für alle christlichen Kirchen.

Zur Situation im Libanon sagte Farhat, dass die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen im Land immer noch sehr gut seien. Viele junge Leute würden zwar immer noch ihre Zukunft im Ausland sehen, aber es gebe auch so etwas wie eine Rückkehrbewegung in den Libanon. Letztlich mache er sich um die Zukunft des Libanon keine Sorgen, so Farhat, der nach seinem Ausscheiden aus dem Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls in sein Heimatland zurückkehren will. Der Nahe Osten ohne Christen sei für ihn unvorstellbar, so der Nuntius, der daran erinnerte, dass das Christentum aus dem Orient kommt. "Christus darf im Nahen Osten nicht fremd werden", sagte Erzbischof Farhat wörtlich. (forts.mgl.)
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