Prognose für 2009 und 2010: Europas Wirtschaft in der Rezession - heimische Wirtschaftspolitik dämpft den Abschwung

Wien (WIFO) - Ausgehend von den USA hat der Abschwung mittlerweile die gesamte Weltwirtschaft erfasst. Die Finanzkrise verstärkt die Abschwächung der internationalen Konjunktur. Im Euro-Raum ist 2009 mit einer Abnahme der Wirtschaftsleistung um 1,2% zu rechnen. Auch für Österreich ist trotz massiven Gegensteuerns der Fiskalpolitik im Jahr 2009 ein Rückgang des BIP um real 0,5% zu erwarten. Der Wachstumsprognose von 0,9% für das Jahr 2010 liegt die Annahme zugrunde, dass sich die Wirtschaft gegen Ende 2009 langsam zu erholen beginnt.

Der Abschwung der Weltwirtschaft verstärkte sich gegen Jahresende 2008 deutlich. Bis vor kurzem beschränkte sich die Krise weitgehend auf die Finanzmärkte, doch nun überrascht das Ausmaß der Wirkung auf die Realwirtschaft. Zudem hat der Abschwung mittlerweile alle Weltregionen erfasst. Die Wirtschaft geriet in den USA, in Japan und der EU bereits 2008 in eine Rezession, und in den Schwellenländern verlangsamt sich das bis vor kurzem noch sehr dynamische Wachstum erheblich.

Dem Platzen der Preisblase auf den Immobilienmärkten vieler Länder folgte ein scharfer Rückgang der teilweise spekulativ überhöhten Preise von Rohstoffen und Agrarprodukten. In der Folge gaben die Notierungen für Erdöl der Marke Brent von einem Höchststand von 144 $ je Barrel Anfang Juli 2008 auf 37 $ Anfang Dezember nach (rund -75%). Aufgrund der weltweiten Unsicherheit über die weitere Wirtschaftsentwicklung und mangels anderer als sicher erachteter Anlagemöglichkeiten erhöhte sich die Nachfrage nach Staatsanleihen der USA massiv und löste einen Anstieg des Bedarfs an Dollar aus, sodass der Dollar gegenüber dem Euro beträchtlich aufwertete (von fast 1,60 $ je Euro im Juli 2008 auf 1,25 $ im Oktober). Dies entsprach einer Abwertung des Euro um mehr als 20%.

Zu Jahresbeginn 2008 zeigte sich die Wirtschaft im Euro-Raum noch überaus dynamisch (I. Quartal +0,7% gegenüber der Vorperiode). Allerdings trübte sich die Unternehmensstimmung bereits deutlich ein. Im II. Quartal setzte ein Rückgang des BIP ein (real -0,2%), der sich im III. Quartal unvermindert fortsetzte. Die Unternehmensumfragen deuten darauf hin, dass sich diese Tendenz gegen Jahresende weiter verstärkt. Noch zeichnet sich keine Besserung ab, sodass das WIFO für 2009 in der vorliegenden Prognose mit einem realen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion im Euro-Raum um 1,2% rechnet. Wie in den USA sollten Ende 2009 positive Tendenzen einsetzen. Im Jahr 2010 dürfte das Bruttoinlandsprodukt wieder leicht wachsen (+0,5%).

Österreich kann sich als kleine, exportorientierte Volkswirtschaft diesem Abwärtstrend nicht entziehen. Die Auftragseingänge - vor allem jene aus dem Ausland - brechen ein, und die ohnedies in den letzten Jahren nur schwach expandierende Konsumbereitschaft lässt mehr und mehr nach. Vor diesem Hintergrund senkt das WIFO seine Wachstumsprognose für 2008 von 2% auf 1,8%. Die vorlaufenden Indikatoren für die heimische Wirtschaftsentwicklung und die Verschlechterung der internationalen Rahmenbedingungen weisen auf eine Rezession im Jahr 2009 hin. Allerdings steuert die österreichische Wirtschaftspolitik durch massive Ausgabensteigerung und Steuersenkungen dieser Entwicklung gegen. Das Wachstum des Konsums der privaten Haushalte kann so bei 1% stabilisiert werden. Dennoch wird sich die gesamtwirtschaftliche Produktion im Jahr 2009 um 0,5% verringern. Auch die heimische Wirtschaft wird von der leichten internationalen Erholung profitieren und 2010 um 0,9% wachsen. Damit ist der Abschwung etwas geringer, die Erholung etwas stärker als im Durchschnitt des Euro-Raumes.

Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Der deutliche Rückgang der Rohstoffpreise, der Wegfall der Studiengebühren und die Senkung der Mehrwertsteuer auf Medikamente tragen dazu bei, dass die Inflationsrate im Jahr 2009 beträchtlich sinkt. Nach +3,2% im Jahr 2008 wird für 2009 ein Anstieg der Verbraucherpreise um nur 1,2% prognostiziert. Dies begünstigt die verfügbaren realen Haushaltseinkommen und somit den privaten Konsum.

Die Investitionsnachfrage wird aufgrund der Konjunkturlage und der schlechten Unternehmensstimmung merklich abnehmen. Dies betrifft sowohl die Ausrüstungsinvestitionen (2009 real -7%) als auch die Bauten (-1%). Im Jahr 2010 sollten sich die Investitionen wieder stabilisieren.

Ein Rückgang wird für 2009 auch für den Warenexport angenommen (-0,5% nach real +3,6% im Jahr 2008). 2010 sollte wieder ein Anstieg von 1,5% zu verzeichnen sein. Einem ähnlichen Muster folgt die Entwicklung des Warenimports. Während sich die Verringerung der Investitionsnachfrage hier dämpfend auswirkt, erhöht die Zunahme der Konsumnachfrage die Wareneinfuhr.

Nahezu alle Wirtschaftszweige werden - wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß und zu unterschiedlichen Zeitpunkten - vom Konjunktureinbruch betroffen sein. Wegen der Schwäche der Exportnachfrage wird die Wertschöpfung vor allem in der Sachgütererzeugung 2009 real schrumpfen (fast -3%). Der Einbruch der internationalen Tourismusnachfrage wird auch das Ergebnis des heimischen Beherbergungs- und Gaststättenwesens drücken (Wertschöpfung 2009 real -2,5%).

Weil die Arbeitskräftenachfrage abnimmt, wird die Beschäftigung im Jahr 2009 um 0,4% sinken (-13.000). Da mit einem sehr elastischen Arbeitskräfteangebot, vermehrten Schulungsaktivitäten für Arbeitslose (+7.000) und einer Ausweitung von Kurzarbeit gerechnet werden kann, dürfte der Anstieg der offenen Arbeitslosigkeit mit +27.000 verhalten ausfallen. Die Arbeitslosenquote wird dadurch im Jahr 2009 nach traditioneller österreichischer Definition von 5,8% auf 6,5% steigen. Aufgrund der üblicherweise verzögerten Reaktion des Arbeitsmarktes wird sie sich 2010 auf 6,9% erhöhen.

Die Einkommensteuersenkung, die vereinbarten Schritte zur Konjunkturbelebung und die im Zuge der Neuwahlen beschlossenen Maßnahmen werden den Staatshaushalt in den kommenden Jahren erheblich belasten. Für 2009 wird ein Anstieg des Fehlbetrags auf -2,8% des BIP prognostiziert, 2010 wird sich das Defizit auf 3,2% ausweiten.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 1/2009!

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Dr. Marcus Scheiblecker
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
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