WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Grundstein für die nächste Blase ist gelegt - von Robert Gillinger

US-Nullzinspolitik ist ein Spiel mit dem Feuer

Wien (OTS) - Die herrschende Vertrauenskrise macht’s möglich:
Fed-Chef Ben Bernanke senkt den US-Leitzins auf historisch tiefe 0,0 bis 0,25 Prozent. Und läutet damit endgültig eine Ära negativer Realverzinsung ein. Sprich, wer Staatsanleihen kauft, verliert Geld, da die Inflationsrate über der Verzinsung liegt. Wie schlecht muss es der Wirtschaft wirklich gehen, um sich der Gefahr zu stellen, keine Käufer mehr für ihre Anleihen zu bekommen, die aber notwendig sind, um das Budgetdefizit zu refinanzieren? Da hat Bernanke aber vorgesorgt - die Fed wird als Käufer von US-Staatsanleihen auftreten und derart jedenfalls für Nachfrage sorgen. Doch warum lässt sich Bernanke auf dieses Spiel ein? Er will die Wirtschaft unbedingt wieder in Schwung bringen. Immerhin lässt sich jetzt (theoretisch) eine Investition/ein Kauf auf Pump darstellen, bei der/dem real weniger zurückgezahlt wird, als aufgenommen wurde.

Womit wir beim ohnehin vorhandenen Problem der weltweiten Überschuldung sind - dieses Damoklesschwert wird dadurch sicher nicht entschärft. Doch Bernanke hofft auf mehr; dass Anleger endlich nicht nur die Sicherheit von Staatsanleihen suchen, sondern sich etwa bei Unternehmensanleihen engagieren. Damit würde der Wirtschaft direkt Geld zufließen, wenn es schon von den Banken nicht kommt. Ob das gelingt, ist fraglich. Denn eine Nullzinspolitik zeugt nicht gerade von Vertrauen in die Wirtschaft, warum sollten es die Anleger haben?

Jedenfalls ist zu befürchten, dass mittlerweile der Grundstein für die nächste Blase bereits gelegt ist. Wir müssen in der Historie nicht weit zurückgehen, um Auswirkungen einer negativen Realverzinsung zu sehen: Nach dem Platzen der Internetblase und 9/11 führte die Fed ihren Leitzins bis Anfang ‘03 auf 1,0 Prozent zurück. Anleger flohen in Sachwerte, teilweise Aktien, viel Immobilien und Rohstoffe: In der Folge legten die US-Häuserpreise mehr als 70 Prozent zu - bis die Blase platzte (Öl, Kupfer usw. zerbröselte es auch). Fünfjährige US-Staatsanleihen legten in den vergangenen etwas mehr als zwölf Monaten knapp 20 Prozent zu, keine schlechte Rendite für ein "sicheres" Investment.

Was könnte all das für Anleger bedeuten? Die negative Realverzinsung wird wohl nicht mitgespielt werden, das Geld wandert woanders hin. In der Historie waren das immer Sachwerte - Gold und andere Rohstoffe (das Image von Immobilien und Aktien ist angekratzt). Gold sollte überhaupt nicht unterschätzt werden. Denn auf negative Realzinsen folgt natürlich auch Inflation. Die aktuelle Lage muss also wirklich schlimm sein, sonst würde Bernanke sich nicht auf so ein Vabanquespiel einlassen.

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