WirtschaftsBlatt-Kommentar: Die Skurrilitäten treiben wilde Blüten - von Robert Gillinger

Verschrottungsprämie für Autos - gibt's nichts Sinnvolleres?

Wien (OTS) - Verschrottungsprämien für Automobile. Klar ist der Hintergedanke der jüngst in Politik und Wirtschaft aufgetauchten Idee zur Konjunkturstimulierung: Den darbenden Autobauern soll derart
das Geschäft angekurbelt werden, immerhin türmen sich in deren Lagerhallen bereits tausende derzeit unverkäuflicher Pkw, und täglich werden es mehr. Und wenn die "Neuen" auch noch bessere Abgaswerte haben als die alten Rostschüsseln, ist der Umwelt auch noch geholfen (eine ordentliche Sanierung von Gebäuden bringt in diesem Punkt freilich wesentlich mehr und das vor allem auch langfristig).

Als theoretisches Gedankenkonstrukt verstehe ich solche Prämien ja noch für automobilproduzierende Staaten wie speziell Italien, Frankreich oder Deutschland - aber für ein reines Zulieferland? Wir stützen also indirekt unsere Zulieferindustrie, indem wir den Produzenten anderer Staaten unter die Arme greifen und hoffen, dass diese dann unseren Zulieferern weiter Aufträge verschaffen. Doch wo hören wir auf? Überspitzt formuliert könnten wir die Presseförderung ver-x-fachen, um der für Österreich nicht weniger wichtigen Forst-und Papierindustrie unter die Arme zu greifen.

Und Hand aufs Herz - hat das bisher in Europa immer wieder angewandte Mittel einer Verschrottungsprämie jemals nachhaltige Wirkung gezeigt? Nein, was aber logisch ist. Denn wenn viele ihren Autokauf wegen einer Prämie vorziehen (in Österreich gibt’s ohnehin immer wieder Eintauschaktionen), fehlt diese Nachfrage, wenn die Krise ausgestanden ist (in Summe wird die Nachfrage geglättet, mehr nicht). Nicht umsonst schlittert Fiat von einer Krise in die nächste und auch die Franzosen haben regelmäßig wiederkehrende Probleme.
Ein wesentlich einfacheres Mittel, um der (ganzen) Wirtschaft unter die Arme zu greifen, ist eine Steuersenkung. "Dann wird gespart statt ausgegeben", tönen da die Kritiker. Doch selbst wenn?Abertausende Österreicher stehen vor den Trümmern ihrer Pensionsvorsorge - da sind zusätzlich angesparte Euros vielleicht gar nicht das Verkehrteste.

Und wenn das politisch nicht erwünscht ist, gibt es immer noch die Möglichkeit, nicht die direkten Steuern (etwa auf Lohn und Gehalt) zu reduzieren, sondern indirekte wie die Umsatzsteuer. Auch damit wird der Absatz von Automobilen gefördert, aber eben nicht nur. Außerdem haben indirekte Steuern den großen Vorteil, dass man sie praktisch über Nacht verändern kann - also relativ leicht eine Senkung wieder rückgängig gemacht werden könnte.

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