"KURIER"-Kommentar von Andreas Schwarz: "Die Spender brauchen mehr als Psychologie"

Ja zur Absetzbarkeit, aber nicht alle Gaben verdienen es, begünstigt zu werden.

Wien (OTS) - Psychologie ist in der Wirtschaft nicht alles, aber viel. Nicht nur an den Börsen. Die Wirtschaftsstimmung hat direkte Auswirkungen auf das Konsumverhalten, dieses auf die Wirtschaft
und so fort.
Diese Psychologie lässt sich beeinflussen. Im Vor-Weihnachtsgeschäft lief das bisher traditionell so: Der Handel klagte ein paar Wochen vor dem Fest über Einnahmen-Rückgänge - Motto:
Seht her, da geht noch was -, um danach Rekordumsätze zu vermelden. Heuer meldet er trotz düsterer Finanzstimmung rauschende Umsätze - Motto: Die anderen kaufen auch, also keine Panik. Das ist ein bisschen Zweckoptimismus, gepaart mit dem tatsächlichen Kaufverhalten der Österreicher. Mit so viel Geld wie nie in der Tasche geht noch einmal was, gespart werden kann später immer noch. Was das mit Spenden zu tun hat? Dort ist die Psychologie nicht beeinflussbar. Die Krise beginnt bereits voll durchzuschlagen.
Nur noch 60 Prozent der Österreicher geben an, im heurigen Jahr mindestens einmal für einen wohltätigen Zweck Geld gegeben zu haben. Vor zwei Jahren waren es noch mehr als 80 Prozent. Und auch wenn die Österreicher mit geschätzten 430 Millionen Spenden-Euro international gar nicht schlecht dastehen, bleibt: Kaufen ja, spenden nicht mehr so.
In dieser Situation ist die angekündigte steuerliche Absetzbarkeit von Spenden nach jahrzehntelanger Diskussion vielleicht nicht das "größte Weihnachtswunder" ((C) Kurt Bergmann, Gründer von "Licht ins Dunkel"), aber mutmaßlich ein hilfreicher Schritt.
Auch wenn schwer abschätzbar ist, ob sich die Aussicht für Spender, Geld vom Fiskus zurückzubekommen, in höher dotierten Erlagscheinen niederschlägt. Bei Firmen vielleicht, beim Kleinspender oder jenen 2,5 Millionen, die keine Steuern zahlen, wohl eher kaum. Aber dass bisher zwar Spenden für jede noch so obskure Forschung absetzbar waren, aber Gaben für Caritas oder Rotes Kreuz nicht, folgte keiner Logik.
Dennoch tut der Staat gut daran, die Absetzbarkeit nicht mit der Gießkanne zu verteilen, sondern sich genau anzuschauen, für welche Organisationen Spenden begünstigt werden. Das ist eine heikle Gratwanderung.
Und vielleicht gibt es ein besseres Kriterium als humanitär ja, nicht-humanitär nein: Es könnte jede Organisation unter die Absetzbarkeit fallen, die mit ihrer Tätigkeit dem Staat eine Leistung abnimmt, die er sonst teuer zahlen müsste. Das tut nicht jede Gruppe, die für die Robbe in Grönland kämpft, und nicht jede private Windrad- oder Charity-Aktion. Aber von den Stephansdom-Sammlern bis zur Caritas, von der Diakonie bis zur Aids-Hilfe leisten Gruppen für das Gemeinwohl Enormes, das sich die öffentliche Hand nicht leisten kann/will.
Ihnen hilft keine Wirtschaftspsychologie. Aber vielleicht ein Ansporn, dank Rückvergütung mehr zu spenden. Oder nur die Bewusstmachung dadurch, dass es sie gibt und braucht.

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