"Markanter Dämpfer für wachstumsverwöhnte Logistikbranche"

Bollmann: Finanzierung ist deutlich schwieriger geworden - Gegensteuern dringend notwendig

Wien (PWK972) - Die jüngste Finanzkrise hat auch die Transport-
und Logistikbranche erreicht, heimische Logistiker melden eine nachlassende Auslastung der Transportkapazitäten. Insgesamt erwartet man einen größeren Stellenwert von Verlässlichkeit gegenüber Schnelligkeit beim Gütertransport sowie ein höheres Risiko bei Forderungsausfällen.

Die IATA berichtet seit mehreren Monaten über rückläufige Ergebnisse. Die asiatischen Carrier, die für 44,7 Prozent des Volumens stehen, verbuchten zuletzt 11 Prozent weniger Fracht. Die europäischen und nordamerikanischen Airlines verloren 5,4 und 7,6 Prozent. Nur die Anbieter aus dem Mittleren Osten verzeichnen mit plus ein Prozent einen leichten Zuwachs. Das Wachstum im Containerverkehr dürfte sich 2009 auf 3,5 Prozent halbieren. Nutzkraftfahrzeughersteller melden Absatzrückgänge.

Fachleute sehen einen markanten Dämpfer in einer wachstumsverwöhnten Branche. Auch wenn derzeit allgemei¬nes Rätselraten herrscht, ob es sich um eine "leichte Wachstumsdelle" oder mehr handelt und welche Auswirkungen dies auf die Globalisierung haben wird. Allerdings gehörten auch schon in der Vergangenheit Wachstumsschwächen zum unternehmerischen Alltag.

China als Werkbank der Welt ist im Logistiksektor durch den Rückgang der Exporte nach Nordamerika und Europa besonders betroffen, was vor allem die Carrier und Spediteure zu spüren bekommen. Im ersten Halbjahr ist der Containerumschlag in den chinesischen Häfen um sieben Prozentpunkte zurückgegangen. Das hat Auswirkungen auf Europa. In Rotterdam ist der Containerumschlag in den ersten drei Quartalen um zwei Prozent zurückgegangen. Die transportierten Waren werden durch Letter of Credits (LOC) finanziert. Die Banken akzeptieren aber immer seltener Akkreditive im globalen Kreditgeschäft.

Abseits der stotternden Motoren in großen Volkswirtschaften wie China ist vor allem die Finanzierung im gegenwärtigen Umfeld deutlich schwieriger geworden, erklärt der Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr, Harald Bollmann. Etwa 90 Prozent der weltweiten Güterströme gelangen per Schiff ans Ziel. Dabei spielen kredit¬gebende Banken eine wichtige Rolle. Mit den Letters of Credits garantieren die Banken den Verkäufern, dass diese ihr Geld für die Waren erhalten. Bei den weltweiten Transporten sind somit immer auch Kredite im Spiel.

Dieses gängige Handelsinstrument gerät nun in Ge¬fahr. Die Zah¬lungssicherheit ist jedoch Vorausset¬zung dafür, dass die Waren überhaupt den Ursprungshafen verlassen. Mittlerweile sucht die WTO hier auf internationaler Ebene Auswege, fehlen doch gegenwärtig 25 Milliarden US-Dollar für Handelskredite. "Hier liegt ein explosiver Faktor, der den Welthandel massiv beeinträchtigen könnte, wenn hier nicht entschieden gegengesteuert und Exportkredite als Garantie zur Verfügung gestellt wird", warnt Bollmann mit Nachdruck. (hp)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich,
Bundessparte Transport und Verkehr
Mag. Martin Deusch
Tel: +43 (0)5 90 900 3255
Fax: +43 (0)5 90 900 257
Email: Martin.Deusch@wko.at
Web: http://wko.at/verkehr

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0002