Ärztekammer zu Dopingaffäre: Rigorose Aufklärung

Wechselberger: Strafen verschärfen - Hinterland ausheben - Sport redimensionieren

Wien (OTS) - Für rigorose Ermittlungen rund um aktuelle Doping-Vorkommnisse tritt die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) ein. Es habe den Anschein, als gäbe es ein international dicht organisiertes, lukratives Netz von Lieferanten und Interessen, das auf die Anfälligkeit des Spitzensports und seiner Exponenten spekuliere, sagte ÖÄK-Vizepräsident und Sportmediziner Artur Wechselberger Sonntag in einer Aussendung. Dass Österreich in diese "unmoralischen Machenschaften" eingebunden sei, betrachtet der Ärztevertreter als "beschämendes Armutszeugnis", das man nicht einfach akzeptieren könne. Um ein Mindestmaß an Glaubwürdigkeit und Reputation zurückzuerlangen, seien nun Politik, Sportorganisationen und Rechtsinstitutionen gefordert.

Drei Probleme gelte es laut Wechselberger zu lösen. Er spricht erstens von einer "konsequenten Stigmatisierung" des Dopings innerhalb der Sportlergemeinde. Offensichtlich sei es bis heute nicht gelungen, das Unrechtsbewusstsein ausreichend zu schärfen, wenn illegale Praktiken an der Tagesordnung stünden. Die Strafandrohung müsse deutlich höher sein als der potenzielle Nutzen des Dopings. Wechselberger: "Das betrifft alle Beteiligten - nicht nur den Sportler, der am Ende der Kette steht." Wer an den Schalthebeln des Dopings sitze, gehörte ebenso geklärt wie die Lieferwege: "Woher kommen die Arzneimittel? Aus dem Ausland, über den Internet-Handel, ist der Pharma-Großhandel involviert, werden sie einfach aus der Apotheke bezogen?"

Zweitens sieht der Arzt "schwerwiegende Versäumnisse" bei der Aufklärung der Hintergründe im Betreuungsumfeld. Für die hier an den Tag gelegte Zaghaftigkeit dürfe es "kein Pardon" geben. "Es ist mir unverständlich, dass Sportler angeben, ohne Wissen des Betreuungspersonals eigenverantwortlich und selbstständig verbotene Arzneimittel anzuwenden, die eine Steigerung des Leistungsvermögens versprechen", sagte Wechselberger. Und weiter: "Was sind die eigentlichen Gründe für das Schweigen in der Branche, wieso begegnen wir einer Atmosphäre der falschen Rücksichtnahme, der Deckung des Hinterlandes?"

Einen dritten Ansatzpunkt zum Kampf gegen das Doping sieht der Sportmediziner in "Überbewertung" des Profi- und Spitzensportes als Wirtschaftsfaktor und in seiner falsch verstandenen Vorbildwirkung für den Breitensport. Der daraus resultierende Erfolgsdruck schaffe ein "Klima der Versuchung". Weshalb sich Wechselberger für eine "Redimensionierung" im Sinne einer "Vermenschlichung" des Spitzensportes ausspricht.

Der abschließende Appell des ÖÄK-Vizepräsidenten: "Ob aktive Hilfe, passive Duldung oder Schutz des Hinterlandes - wer etwas weiß und schweigt, macht sich schuldig. Das ruiniert den seriösen Leistungssport. Auf Kosten der Gesundheit und Existenz junger Menschen."

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