"trend": Streit um Hundertwasserhaus

Das Wiener Handelsgericht anerkennt Josef Krawina als Miturheber

Wien (OTS) - Ein neues Gutachten hat nun den künstlerischen Anteil des Grazer Architekten Josef Krawina an der Wiener Tourismusattraktion anerkannt. Hundertwasser hatte demnach bei seinen Ideen in vielen Fällen auf Vorentwürfe von Krawina zurückgegriffen, Teile der Anlage seien überhaupt von dem Architekten entworfen worden, berichtet das Wirtschaftsmagazin "trend" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Knapp vor dem 80. Geburtstag des Künstlers Friedensreich Hundertwassers scheint nun ein bizarrer Rechtstreit um das Hundertwasser-Haus in Wien endgültig entschieden: Das bekannteste Werk eines der bekanntesten Österreichischen Künstler muss umbenannt werden.
Die Vorgeschichte: Joram Harel, ehemaliger Inhaber der Betreibergesellschaft des Hundertwasserhauses und Verwalter des Hundertwasser-Erbes hatte sich vor acht Jahren mit einem Vertreiber von Hundertwasser-Merchandisingartikeln überworfen. Im Zuge der folgenden Rechtsstreitigkeiten machte dieser auch die Rechte des schwer kranken Krawina bei Gericht geltend. Die Klage durchlief mehrere Instanzen (mit unterschiedlichen Sprüchen) bis sie von OGH mit der Auflage an das Wiener Handelsgericht zurückverwiesen wurde, ein Gutachten einzuholen. Neben der nicht unerheblichen urheberrechtlichen Präzedenz hat das nunmehrige Erkenntnis des Handelsgerichts auch finanzielle Folgen, analysiert der "trend", denn Hundertwasser ist einer der teuersten Künstler der Gegenwart. Nun müssen alle Kataloge, Seidentücher, Poster und dergleichen mit dem "Hundertwasserhaus" ohne Hinweis auf Krawina aus dem Verkehr gezogen werden. Der Miturheber habe Anspruch auf Tantiemen. Hundertwasser-Verwalter Joram Harel hat allerdings die geklagte Betreibergesellschaft mittlerweile an die Stadt Wien verkauft. Diese muss sich nun mit den Folgen des Rechtsstreites herumschlagen - so ferne nicht doch noch ein juristischer Ausweg gefunden wird. Anwalt Georg Zanger, Vertreter der Betreibergesellschaft, findet das Urteil grotesk: "So etwas habe ich noch nie erlebt. Nach Außen hin ist da nichts von Krawina erkennbar. Geht es wirklich nach diesem Erkenntnis müsste man auch das Loos-Haus umbenennen." Er hält das Gutachten für mangelhaft, will nochmals Einspruch erheben und notfalls beim EuGH weiter prozessieren. Die neue Stoßrichtung: Wenn schon ein Anspruch Krawinas feststellbar ist, dann wäre dieser seiner Meinung nach jedenfalls schon verjährt.

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