"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Unappetitliche Schweinereien" (Von GABRIELE STARCK)

Ausgabe vom 12. Dezember 2008

Innsbruck (OTS) - Das System funktioniert. Die Herkunft von jedem Kilo Fleisch, das zum Verkauf angeboten wird, kann lückenlos nachvollzogen werden. Das erklärten gestern Behörden wie Produzenten. Der Haken daran: Diese Transparenz ergibt sich erst, wenn etwas passiert ist. Dann erst werden die Wege vom Endprodukt bis zu dem einst noch lebenden Tier zurückverfolgt. Und so wissen jetzt die betroffenen Betriebe und wir Konsumenten, dass uns irisches Schweinefleisch geliefert wurde. Im September, als es in Tirol landete, hatte niemand eine Ahnung davon.

Die Schweinerei daran ist weniger das Fleisch selbst. Ob die irischen Importe überhaupt mit Dioxin bzw. PCB belastet waren, ist noch gar nicht gewiss. Das werden erst die Untersuchungen ergeben. Und selbst wenn, geht von diesen Mengen keine akute Gesundheitsgefährdung aus.

Unappetitlich ist vielmehr, dass niemand mehr weiß, woher das, was wir auf dem Teller haben, wirklich kommt. Nicht einmal der Produzent, wie gestern offensichtlich wurde. Der Tiroler Speckkaiser bestellt deutsche Schweine und erhält irische. Doch was ist ein deutsches Schwein oder ein österreichisches? Eines, das in diesem Land geboren wurde, gelebt hat, geschlachtet oder nur zerteilt wurde. Genau da verschwimmen die Grenzen, sind die Definitionen für den Konsumenten nicht mehr nachvollziehbar. Und so ist es möglich, dass sich belastete oder gar verdorbene Produkte in Windeseile über ganz Europa verteilen. Frei nach dem Motto, das Ganze ist eh schon gegessen, wenn es rauskommt.

Das System funktioniert also doch nicht - zumindest nicht im Sinne der Konsumenten.

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