Zwei neue Papstdokumente über Armut, Entwicklung und Finanzkrise

Präsident von "Iustitia et Pax", Kardinal Martino, stellte Botschaft Benedikts XVI. zum Weltfriedenstag vor und kündigte für Jänner die seit längerem erwartete Enzyklika zu Globalisierungsfragen an

Vatikanstadt, 11.12.08 (KAP) Die seit längerem erwartete Papst-Enzyklika zu Globalisierungsfragen soll nach Einschätzung von Kurienkardinal Renato Raffaele Martino kurz nach dem Jahreswechsel erscheinen. Wie der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax") am Donnerstag erklärte, dürfte das dritte große Lehrschreiben von Benedikt XVI. die Themen seiner aktuellen Weltfriedensbotschaft vertiefen. Dieses Papier, das Martino am Donnerstag im Vatikan vorstellte, befasst sich mit Fragen der Armutsbekämpfung und erhebt u.a. die Forderung nach einem nachhaltigen globalen Wirtschafts- und Finanzsystem. Es trägt den Titel "Die Armut bekämpfen, den Frieden schaffen".

Die 19-seitige Botschaft zum kommenden kirchlichen Weltfriedenstag -er wird am 1. Jänner begangen - könne gewissermaßen als "Antipasto" zur neuen Enzyklika verstanden werden, sagte der italienische Kardinal. Auf die Frage, ob auch an dem erwarteten Lehrschreiben auch externe Berater, etwa Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, mitgearbeitet hätten, antwortete Martino mit: "Kein Kommentar".

Benedikt XVI. hat bisher zwei Enzykliken zu theologischen Kernbegriffen veröffentlicht: "Deus caritas est" (Gott ist die Liebe) am 25. Jänner 2006 und "Spe salvi" (Auf Hoffnung hin sind wir gerettet) am vergangenen 30. November 2007. Das nächste Dokument soll die Soziallehre der katholischen Kirche vertiefen.

Benedikt XVI. übte in Ansprachen und Schreiben mehrfach Kritik an einer ungezügelten Globalisierung und reinem Marktliberalismus. Wiederholt drängte er auch auf ökologisch nachhaltiges Handeln.

Globalisierung muss auch Armen nützen

In der wachsenden Kluft zwischen Reich und Arm sieht der Papst eine Bedrohung für den Weltfrieden; in seiner am Botschaft zum Weltfriedenstag 2009 warnt er vor einem Teufelskreis von Not und Konflikten. Notwendig sei eine Globalisierung, die auch den Armen die Möglichkeit eines vernünftigen Wachstums sichere.

Benedikt XVI. beschreibt die aktuelle Finanzkrise als Folge eines extrem kurzfristigen Denkens, das letztlich auch die Profiteure der Finanzeuphorie treffe. Armut sei nicht nur eine Erscheinung materieller Not. Gerade in wohlhabenden Gesellschaften gebe es eine "moralische Unterentwicklung".

Energisch wendet sich Benedikt XVI. gegen Abtreibungen als Mittel der Armutsbekämpfung. "Die Vernichtung von Millionen ungeborener Kinder im Namen der Armutsbekämpfung ist in Wirklichkeit eine Eliminierung der Ärmsten unter den Menschen", so der Papst. Die Bevölkerung sei "ein Reichtum und nicht ein Armutsfaktor".

Im Blick auf Krankheiten wie AIDS in Entwicklungsländern spricht der Papst von "Erpressungen" derer, die wirtschaftliche Hilfen von der Umsetzung einer lebensfeindlichen Politik abhängig machten. Der Kampf gegen AIDS verlange eine entsprechende Sexualerziehung bei Jugendlichen. Weiter fordert der Papst eine flexible Anwendung internationaler Patentrechte für Medikamente.

Für Kinder - weltweit fast die Hälfte aller Menschen in absoluter Armut - verlangt der Papst mehr Engagement im Hinblick auf Mütterfürsorge und Erziehung, medizinischer Versorgung, Umweltschutz und Schutz der Familie: "Wenn die Familie schwächer wird, tragen unvermeidlich die Kinder den Schaden davon."

Harte Kritik an Rüstungspolitik

Besonders hart geht Benedikt XVI. mit der Rüstungspolitik ins Gericht. Die Militärausgaben gingen zu Lasten der Entwicklungshilfe und verstießen damit gegen die Charta der Vereinten Nationen. Zudem erzeuge der Rüstungswettlauf "Enklaven der Unterentwicklung und der Verzweiflung", von denen neue Konflikte drohten. Erneut verurteilt der Papst auch Spekulationen an den Agrar- und Rohstoffmärkten als Armutsfaktor.

Die Globalisierung könne keinen Frieden schaffen, wenn sie nicht am Ziel einer umfassenden Solidarität ausgerichtet sei, betonte der Papst. Diese setze einen gemeinsamen Ethikkodex voraus, der nicht nur auf Konventionen beruhen dürfe, sondern naturrechtlich verankert sein müsse. Die Möglichkeit eines vernünftigen Wachstums müsse allen offenstehen. "Die Verzerrungen ungerechter Systeme präsentieren nämlich früher oder später allen die Rechnung", warnte Benedikt XVI.

Auf institutioneller Ebene verlangt der Papst in dem Text zum Weltfriedenstag eine Förderung von Mitverantwortung und einer "Kultur der Legalität". Statt ausgeprägter Wohlfahrtspolitik seien bessere Bildungsprogramme nötig: "In die Ausbildung der Menschen zu investieren und ergänzend eine spezifische Kultur der Eigeninitiative zu entwickeln, erscheint zur Zeit als der richtige mittel- und langfristige Plan." Es sei eine Illusion, dass eine Politik der reinen Umverteilung das Problem der Armut lösen könne, schrieb der Papst.

Kondome "kein Allheilmittel" gegen AIDS

Bei der Präsentation sagte Kardinal Martino, angesichts der AIDS-Problematik in Afrika seien Präservative kein "Allheilmittel". Er machte geltend, Kondome böten keine hundertprozentige Sicherheit gegen eine Infektion mit dem HI-Virus. "Nötig ist vor allem die Erziehung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität und einer verantworteten Elternschaft", so der Präsident von "Iustitia et Pax". (Forts.mögl.)
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