GMTN-Gesundheitskampagne: Zeitdiktat verhindert Gesundheitsvorsorge im Betrieb

Rund 50 BetriebsrätInnen bei Auftaktveranstaltung in Salzburg

Salzburg/Wien (GMTN/ÖGB) - "In der ersten Hälfte unseres Lebens opfern wir die Gesundheit, um Geld zu erwerben, in der zweiten Hälfte, um die Gesundheit wiederzuerlangen", zitierte Franz Riepl, Bundessekretär der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN) den Schriftsteller Voltaire beim Salzburger Auftakt der GMTN-Gesundheitskampagne am 11. Dezember im Servicezentrum Gesundheit der Salzburger GKK. "Bereits seit 230 Jahren ist Voltaire tot, aber seine Worte haben heute mehr Gültigkeit als jemals zuvor." ++++

Rund 50 BetriebsrätInnen und JugendvertrauensrätInnen waren der Einladung der GMTN gefolgt, um mehr über den Ablauf, die Schwerpunkte und ihre Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Gesundheitskampagne zu erfahren. Siegfried Schluckner, GMTN-Landessekretär und Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse, begrüßte die TeilnehmerInnen: "Durch unsere Gesundheitskampagne und das aktive Mitwirken von euch Betriebsrätinnen und Betriebsräten haben wir die Chance, alle Beschäftigten zu erreichen, auch jene, die das Wachrütteln dringend brauchen. Denn wir wissen z.B. dass die Gruppe der in Beschäftigung stehenden Männer gering auf ihre Gesundheit achtet und Signale und Risiken ignoriert. Wir werden für alle den Weg zu mehr Gesundheit so aufbereiten, dass sie ihn gerne benützen. Alleine schon deshalb, weil wir Pflasterstein um Pflasterstein gemeinsam gelegt haben", sagte Schluckner.

Zwtl. Das Zeitdiktat, ständig flexibel zur Verfügung zu stehen

"Heute wird von den Beschäftigten 100-prozentige Flexibilität verlangt und die Arbeitszeitmodelle werden immer vielfältiger", sagte Riepl. "Sich an die wirtschaftlichen Gegebenheiten anzupassen ist für die Menschen an ihren Arbeitsplätzen ständiges Gebot. Viele Aufträge bedeuten schnellere Produktionen und längere Arbeitszeiten; wirtschaftliche Engpässe Kurzarbeit oder gar den Verlust der Arbeitsplätze", so Riepl. "Wir haben die Herausforderungen der Arbeit und zusätzlich das Zeitdiktat, ständig flexibel zur Verfügung zu stehen - das belastet doppelt. Wo bleibt hier noch Zeit, über die Gesundheit nachzudenken, geschweige denn, etwas dafür zu tun", stellte Riepl die Frage. "Hier muss es eine Trendumkehr geben, die dem Gesundheitsbewusstsein in den Betrieben wieder den richtigen Stellenwert einräumt", stellte Riepl klar und formulierte so eines der Ziele der GMTN-Gesundheitskampagne, die auf fünf thematischen Schwerpunkten beruht: arbeitsbedingte Erkrankungen, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, Arbeitszeit und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit, alternsgerechtes Arbeiten und gesundes Verhalten bei der Arbeit. Im Rahmen der Kampagne werden BetriebsrätInnen, JugendvertrauensrätInnen, Sicherheitsvertrauenspersonen, BehindertenvertreterInnen und Gewerkschaft ein Paket für mehr Gesundheitsbewusstsein und gegen arbeitsbedingte Gesundheitsrisiken und -gefahren schnüren. Dazu gehören Seminare, Themenveranstaltungen, eine Befragung der ArbeitnehmerInnen in Zusammenarbeit mit dem IFES, umfassendes Informationsmaterial und Gesundheitstage in den Betrieben.

Über die betriebliche Gesundheitsförderung in Salzburg sprach im Anschluss Elisabeth Zeisberger von der Salzburger GKK. Sie machte darauf aufmerksam, dass in den Betrieben oft das Augenmerk nur auf den ‚großen Drei’ - Ernährung, Bewegung und Rauchen - liegt: "Das ist wichtig, keine Frage. Aber am Arbeitsplatz sorgen viele andere Gegebenheiten dafür, dass Menschen gesund bleiben, z.B. ein positives Betriebsklima, die Kompetenzen und Verhalten der Führungskräfte und das Miteinander unter den Arbeitskolleginnen und -kollegen."

Zwtl. Gesundheitsförderungsprojekte in den Betrieben

Ing. Johann Girardi, im Eisenwerk Sulzau für die Sicherheit zuständig, stellte das betriebliche Gesundheitsförderungsprojekt "Ge(h)mit - bleib fit" vor und erklärte die Wichtigkeit, zuerst den Ist-Zustand zu eruieren: "Am Beginn im Jahr 2006 stand die Befragung der Beschäftigten. Dabei stellten wir fest, dass bei den Problemen die Rückenbeschwerden an erster Stelle stehen; auf Grund des Schichtbetriebes aber auch Müdigkeit und Schlafstörungen. Bei den Belastungen durch äußere Bedingungen führten Staub, Lärm und Zeitdruck die Liste an", sagte Girardi. Die Aktivitäten in den folgenden Jahren umfassten Sanierungen, neue Staubabsaugungen, Verbesserung des Gießhallenklimas, aber auch gesunde Ernährung in der Kantine, Suchtprävention und ein angepasstes Lohnschema. Girardi bedankte sich vor allem bei den Betriebsräten für die Zusammenarbeit, die wesentlich zum Erfolg des Projektes beigetragen haben.

Bis ins Jahr 2010 sind mit der GMTN-Gesundheitskampagne viele Aktionen geplant. Alle Kampagneninfos und Downloads finden Sie unter:
www.gmtn.at/gesundheit

Die GMTN-Gesundheitskampagne wird unterstützt von: Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger, Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz, Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, Pensionsversicherungsanstalt, Gebietskrankenkassen und Arbeiterkammern.

ÖGB, 11. Dezember 2008 Nr. 764

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