Schmied über Holocaust: "Die Fragen nach dem Wie und Warum sind keineswegs nur historische Fragen"

Angemessene Auseinandersetzung mit der NS-Zeit an Schulen von höchster gesellschaftspolitischer Relevanz

Wien (SK) - "Heuer gedenken wir der antijüdischen Ausschreitungen, die im März 1938 begannen und die mit dem Novemberpogrom desselben Jahres einen erschreckenden vorläufigen Höhepunkt fanden. Wie konnte es dazu kommen? Wie konnte eine Ideologie durchgesetzt werden, die den Nachbarn, den Arbeitskollegen zur Bedrohung werden ließ? Wie konnte ein Denkmuster Platz greifen, das eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe aussonderte, verfolgte und schließlich vernichtete?", erinnerte Claudia Schmied, Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur am Donnerstag Vormittag in ihren Eröffnungsworten zum 7. Zentralen Seminar von _erinnern.at_, einer Institution des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) die Lehr- und Lernmaterial sowie eine Vielzahl von Fortbildungsseminaren zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust anbietet. ****

Die Fragen nach dem Wie und Warum seien keineswegs nur historische Fragen, so Schmied. "Eine angemessene Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust an österreichischen Schulen ist heute von höchster gesellschaftspolischer Relevanz", betonte die Bundesministerin und führte weiter aus, dass man aus einer Vergangenheit "in der ein Miteinander verschiedener Kulturen gewaltsam zerstört wurde", Wesentliches für ein gelingendes Miteinander in der Gegenwart lernen könnte. Die Frage nach dem Zusammenleben von ethnischen, kulturellen, sozialen, religiösen oder politischen Gruppen würde heutzutage, so Schmied, meist vor dem Hintergrund von Migration, Integration und Globalisierung diskutiert werden.

"Dabei wird oft eine Mehrheit konstruiert, damit von ihr eine Minderheit abgegrenzt werden kann. Tatsächlich sind wir alle zumeist beides zugleich, Mehrheit und Minderheit", erklärte Schmied und verwies auf die zahlreichen Subkulturen unter Jugendlichen. "So gesehen ist unsere Gesellschaft ein Konglomerat von Minderheiten", unterstrich die Bundesministerin und betonte die Wichtigkeit, den Wert von Minderheiten für eine vielfältige, bunte und durchaus auch widersprüchliche Gesellschaft. Schmied hob hervor, wie wichtige es sei, dass Lehrerinnen und Lehrer die Geschichte des Holocaust im Unterricht zum Thema machen, da sie damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zur historischen, sondern auch zur politischen Bildung leisten würden.

Auseinandersetzung mit der Vergangenheit notwendig für Entwicklung junger Menschen

Diese Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sei notwendig für die Entwicklung junger Menschen zu künftigen Bürgerinnen und Bürgern, die zu demokratischen und gleichzeitig respektvollen Auseinandersetzungen fähig sind. "Und die jene politischen Populismen erkennen, die auf Kosten von Minderheiten Mehrheiten zu organisieren versuchen", merkte Schmied kritisch an. "Als Bildungsministerin möchte ich Sie bei dieser Aufgabe unterstützen", wendete sich die Ministerin an die Lehrerinnen und Lehrer und verwies auf das reichhaltige Lehr- und Lernmaterial auf _erinnern.at_ sowie auf die Vielzahl von Fortbildungsseminaren.

Als "besonders wichtig und wertvoll" bezeichnete Schmied auch die beiden jährlichen Fortbildungsseminare in Israel sowie die internationalen Kooperationen im Rahmen der Task Force for International Cooperation on Holocaust Education (ITF). "Als Lehrerinnen und Lehrer können Sie einen Beitrag dazu leisten, junge Menschen mit der Gefahr der Stigmatisierung von Minderheiten, mit Verfolgung und Völkermord zu konfrontieren. Sie können mit ihnen gemeinsam über Strategien nachdenken und Verhaltensweisen einüben, die Ausgrenzung und Verfolgung weniger wahrscheinlich machen und dazu beitragen, dass das Zusammenleben in Vielfalt gelingt", schloss Schmied. (Schluss) sv

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