"Kleine Zeitung" Kommentar: "Pflegt die Kindergärten und die Bäume wachsen in den Himmel" (von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 10.12.2008

Graz (OTS) - Alle Jahre wieder: Eine Studie belegt, dass Herkunft und Geschlecht in Österreich noch immer mehr zählen als Neigung und Begabung. Ein Test, der besagt, dass, die Schule dagegen wenig ausrichtet. Eine Untersuchung, die beweist, dass die Weichen zum beruflichen Erfolg am 10. Geburtstag längst gestellt sind.

Die Studiengebühren, die bald kaum mehr jemand wird bezahlen müssen, mögen den einen oder anderen Hochschüler aus der Mittelschicht behindert haben - an den Unis anzusetzen, das kommt jedoch viel zu spät. Die Hauptschule erweist sich für so manchen als Sackgasse - die Gesamtschule könnte noch etwas ausgleichen, aber die Ungerechtigkeit nicht an der Wurzel packen. Und kleine Volksschulklassen bewirken laut der aktuellen Studie auch nicht, dass die Kinder schneller Rechnen lernen.

SPÖ und ÖVP, das muss man auch dem gescheiterten Kabinett Gusenbauer lassen, haben endlich erkannt, dass es gilt, bereits vor der Schulzeit mit voller Kraft anzufangen. Den Fünfjährigen täglich vier Stunden Kindergarten zu schenken, wie es das neue Regierungsprogramm vorsieht, ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Dann aber, bitte, nicht auf halben Weg stehen bleiben! Mit den kolportierten 100 Millionen Euro, die der Bund anstelle der Studenten den Universitäten wird überweisen müssen, könnte man den Vorschülern auch noch einen lehrreichen Nachmittag bereiten. Der Besuch muss ja nicht gleich verpflichtend sein. Wobei sich meist jene Eltern am meisten vor zwangsweiser Betreuung fürchten, die ihren Stöpseln ohnehin vom Klavierunterricht über Fechten bis hin zu Englischstunden alles bieten, was gut und teuer ist.

Übrigens: Ein paar zusätzliche Kindergartentanten, die türkischer oder kroatischer Muttersprache sind, würden sich vom Rest der 100 Uni-Millionen auch noch ausgehen.

Schon mehr Geld in die Hand nehmen muss, wer will, dass sich niemand mehr traut, Tanten zu schreiben, vor allem aber, dass sich mehr Onkel unter diese mischen. Die Pädagoginnen verdienen eine Ausbildung auf höherem Niveau, auch, damit sie für ihre verantwortungsvolle wie anstrengende Aufgabe mehr verdienen.

Kleinere Gruppen, neue Gebäude, individuelle Angebote - die Wunschliste ist lang. Doch, wenn wir in den letzten Wochen etwas gelernt haben, dann, dass, der Staat offenbar immer immer Mittel hat, wenn es wirklich gebraucht wird. Alles eine Frage der Prioritäten. Investieren wir heute in Bildung, kommt das Geld in zwanzig Jahren mit Zins und Zinseszins zurück.****

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