Hahn: "Medizinische Forschung muss menschliche Würde schützen"

Wissenschaftsminister fordert die Professionalisierung der ethischen Beratung

Wien (OTS) - Bei der Feier zum 30jährigen Bestehen der Ethikkommission der Medizinischen Universität Wien hob Wissenschaftsminister Johannes Hahn die zunehmende Wichtigkeit dieser Einrichtung hervor: "Gerade die biomedizinische Forschung führt in Bereiche, die komplexe ethische Probleme und Fragestellungen aufwerfen. Um Betriebsblindheit zu vermeiden und sicherzustellen, dass rein wissenschaftliches Erkenntnisinteresse nicht alles andere überwiegt, braucht es ein Korrektiv - und das ist die interdisziplinäre Kontrolle, wie sie von der Ethikkommission gewährleistet wird."

Hahn betonte bei der Festveranstaltung, dass der Mensch im Mittelpunkt medizinischer Forschung zu stehen habe, und dessen Leben sowie Gesundheit und Würde zu schützen seien: "Diese Werte sind in der Deklaration von Helsinki verankert, die erstmals 1964 vom Weltärztebund verabschiedet wurde. An ihrer Relevanz hat sich nichts geändert - im Gegenteil: Mehr denn je ist heute vieles medizinisch machbar, was einst utopisch geklungen haben mag. Dies hat die ethischen Herausforderungen für die Forschung weiter steigen lassen."

In diese Richtung seien weitere Anstrengungen nötig, meinte der Wissenschaftsminister: "Die Professionalisierung der ethischen Beratung muss vorangetrieben werden. Dazu gehört auch, die dafür geeigneten politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen." Die Geschichte der Medizin, so Hahn, weise hinsichtlich ethischer Fragen positive wie negative Meilensteine auf: "Es gab mit dem Eid des Hippokrates einen der frühesten Versuche, ärztliches Ethos zu kodifizieren. Ärzte sollen, heißt es dort, zum Nutzen der Kranken tätig sein. Im zwanzigsten Jahrhundert hat die Welt erlebt, was passiert, wenn der medizinischen Forschung jegliches ethische Bewusstsein abhanden kommt. Die SS-Ärzte in den deutschen Konzentrationslagern haben unter dem Vorwand angeblicher Forschung jeglichen Respekt vor menschlichem Leben vermissen lassen und mit ihren verabscheuungswürdigen Verbrechen einzig dem Rassenwahn des Nationalsozialismus gedient. Dieser Zivilisationsbruch sollte uns als ewige Warnung dienen, die unveräußerliche Würde des Menschen niemals wieder zu gefährden!"

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