Kirche: Menschenrechte sind "beeindruckende Erfolgsgeschichte"

Kirchliche Kommission für Gerechtigkeit und Frieden betont zum 60. Jahrestag der UN-Menschenrechtserklärung den Beitrag der Menschenrechte zum Aufbau einer humaneren globalen Kultur -Zunehmender Relativismus als Herausforderung

Wien, 9.12.08 (KAP) Die österreichische kirchliche Kommission "Iustitia et Pax" (Gerechtigkeit und Frieden) hat die Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor 60 Jahren gewürdigt. Trotz aller Rückschläge und Menschenrechtsverletzungen in den vergangenen sechs Jahrzehnten sei die Menschenrechtserklärung eine "beeindruckende Erfolgsgeschichte", heißt es in einer vom Vorsitzenden der Kommission, dem Linzer Bischof Ludwig Schwarz, und der "Iustitia et Pax"-Direktorin Prof. Ingeborg Gabriel unterzeichneten Stellungnahme. Die Allgemeine Erklärung der Menschrechte habe wesentlich zum Aufbau einer humaneren globalen Kultur beigetragen und - wie bei der "Wende" des Jahres 1989 -gewaltfreien Widerstand gegen Unrecht inspiriert.

"Als Grundlage einer internationalen Ordnung ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Gesetz und nicht Evangelium", betonen Bischof Schwarz und Prof. Gabriel. Die Verteidigung der Würde des Menschen auch durch das Recht stelle aber eine wichtige Form der Nächstenliebe dar.

In der Erklärung wird auch auf das historische Verhältnis von Kirche und Menschenrechten eingegangen. So wird an die "tragische Ablehnung" der von der Aufklärung inspirierten Menschenrechtserklärungen des 18. Jahrhunderts durch die Kirchen erinnert: "Der große Stolperstein war das Recht auf Religionsfreiheit, dessen Anerkennung die Akzeptanz einer religiös-pluralen Gesellschaft und Politik verlangte".

Mit dem tiefen Schock des Totalitarismus habe noch im Zweiten Weltkrieg ein Prozess des Umdenkens in der katholischen Kirche eingesetzt. Johannes XXIII. habe dann in seiner Enzyklika "Pacem in terris" im Jahr 1963 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte anerkannt.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der dabei verabschiedeten Erklärung über die Religionsfreiheit ("Dignitatis humanae") bilden die Menschenrechte die Grundlage der weltweiten katholischen Soziallehre. "Der Einsatz von Päpsten, allen voran Johannes Paul II., Bischöfen und vieler Institutionen der Weltkirche haben rund um den Globus menschliches Leid gemindert und mitgeholfen, menschenwürdige Rechtsstrukturen aufzubauen - oftmals unter großen persönlichen Opfern bis hin zum Martyrium", betont "Iustitia et Pax".

Anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums warnt "Iustitia et Pax" auch vor einer möglichen langfristigen Schwächung der Menschenrechte durch ein Verblassen der Erinnerung an jene Katastrophen, die zur Proklamation der Erklärung der Menschenrechte geführt hatten: "Die Realisierung der Menschenrechte ist auf den Glauben vieler an die Würde jedes Menschen und seiner Rechte angewiesen". Herausforderungen seien aber auch ein zunehmender Relativismus, ein auf falsch verstandene Toleranz zurückzuführender Respekt vor "anderen" Traditionen, sowie ein egoistischer Individualismus, betont die kirchliche Kommission.

Konkrete brisante Zukunftsthemen seien die Unterstützung gleicher Rechte für Frauen, die Verteidigung des individuellen Rechts auf Religionsfreiheit gegen dessen Umdeutung in ein kollektives Recht der Religion sowie Fragen des Datenschutzes. Aktuell bleibe auch die Debatte um sogenannte "humanitäre Interventionen" bei Situationen des "Völkermords".

Anlass zur Sorge für einen neue Auseinanderentwicklung zwischen Religion und säkularen Menschenrechten sieht "Iustitia et Pax" in der Dominanz des Themas "Homosexualität" bei der laufenden Debatte. Dieses Thema hätten die Verfasser der Menschenrechtserklärung vor 60 Jahren nicht im Blick gehabt. Heute sei es eine der "wesentlichen theologischen und sozialethischen Aufgaben", die Vereinbarkeit von Religion und Menschenrechten aufzuzeigen. Die Entwicklung der Haltung der katholischen Kirche in diesem Bereich könne auch für den Islam und Teile der Orthodoxie hilfreich sein, so "Iustitia et Pax". (forts.mgl.)
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