- 05.12.2008, 09:18:32
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Bildungsroman in deftiger Sprache: "Arons Ring" von Hans König
Wien (OTS) - Aus Gesundheitsgründen lebt der ehemaligen
SP-Gemeinderat Hans König auf der Insel Teneriffa und hat es aufgrund
seiner Studien zu José Viera y Clavijo zur Aufnahme in die Junta del
Gobierno der Real Sociedad Económica de los Amigos del País de
Tenerife gebracht. Zwanzig Jahre lang hatte er noch in seiner Zeit
in Wien Quellen studiert, Materialien zusammen getragen und daraus
ein beeindruckendes Panorama Wiens aus der zweiten Hälfte des 17.
Jahrhunderts entworfen. Der Roman schildert den Werdegang eines
Kindes einer heimlichen Beziehung zwischen einem geächteten
Ghettobewohner und einer aufgeweckten Wienerin vor dem Hintergrund
der Judenverfolgung von 1668 und der Türkenbelagerung von 1683.
Mit vielen seiner Glaubensgenossen wurde auch Aaron Fränckl am
23. April 1668 im Ghetto bestialisch getötet, nachdem ein Brand in
der Hofburg den Juden angelastet wurde. Die lebensfrohe Barbara wurde
nach der Geburt des kleinen Josef in die Ehe mit dem verwitweten
Fischkäufel Johann Luckham gezwungen. Ein im Haus wohnender
"persischer Doctor" entwickelt sich nicht nur zur Lichtgestalt für
Barbara, sondern auch für den kleinen Josef, den zu legitimieren
Luckham sich weigert. Zur Lichtgestalt in pekuniärer Hinsicht
gestaltet sich auch der leibliche jüdische Großvater, der während des
Pogroms, in dem sein Sohn getötet wurde, die Flucht nach Nikolsburg
gelungen war. Nach dem wohlverdienten Ende des angetrauten Abschaums
wird Barbara Luckam die Frau des persischen Arztes und Hausgenossen
Bonaventura Nurveli Schahin, der Josef in die Welt der orientalischen
Sprachen einführt und schließlich mit ihm eine abenteuerliche Reise
nach Konstantinopel unternimmt. Josef lernt auch andere Kundschafter
wie Diodato oder Kolschitzky kennen und bewährt sich aufgrund seiner
Sprachkenntnisse und Intelligenz selbst in schwierigsten Situationen.
Dass Schahin die Mächtigen der Hohen Pforte mit Opium versorgt, ist
nur ein Nebenaspekt. Nach der Rückkehr gerät Josef bei Anrücken des
Osmanischen Heeres in die Welt der Soldaten, sichert zunächst sein
Überleben als Rossknecht und wird Augenzeuge der Belagerung Wiens.
Durch eine todesmutige Aktion rettet er Prinz Eugen und wird zum
Vertrauten und Sekretär des aufstrebenden Heerführers.
Das Werk kann ohneweiters in das literarische Genre des
klassischen Bildungsromans gereiht werden. Die - mitunter deftige -
Sprache vermittelt Zeitkolorit und lehnt deutlich an Grimmelshausens
"Simplicissimus" an. Sie vermittelt einerseits Authentizität, wie ja
auch die akribisch recherchierten Quellen. Den Autor reitet aber auch
hin und wieder der Schalk, und so werden Zitate der österreichischen
Kultur eingebaut, wo sie durch ihren Anachronismus das Genre des rein
historischen Romans aufbrechen. So ist auch die Behauptung, einen
Roman über die Leopoldstadt geschrieben zu haben eine starke
Untertreibung, denn das topographische Umfeld wird nichts weniger als
in Beziehung zu Europa und seiner Geschichte gesetzt. Der
Bildungsroman entwickelt hier einen Doppelsinn, denn der Leser wird
in einem Ausmaß über seine Wurzeln in der Stadt informiert, wie er es
sich wohl niemals hätte träumen lassen. "Ich wollt’ ich wäre wirklich
ein Wiener (im guten Sinne des Wortes) - etwa wie es mein Vater ist,
der in allen diesen Dingen Bescheid weiss, jedes Gebäude und seine
Geschichte kennt [...].", seufzte Heimito von Doderer als junger Mann
in sein Tagebuch. Nun, wer ähnlich denkt, dem diene dieses
ansprechende und - trotz aller Realismen einer grausamen Zeit -
unterhaltsam geschriebene Buch als Instrument, seine Unwissenheit
über ein wesentliches Kapitel Stadtgeschichte zu beheben.
Hans König, "Aarons Ring. Des Prinzen Rossknecht." Verlag Echo
Media (www.echo.at), Wien 2008, 631 Seiten, Euro 19,80, ISBN
978-3-901761-99-7. (Schluss) ma
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