Ärztekammer kritisiert Beschwichtigungsversuche der Mobilfunkindustrie

Vorsorgegedanke muss vor Gewinnstreben gehen - Warnungen der Ärztekammer bleiben aufrecht

Wien (OTS) - Die "andauernden Beschwichtigungsversuche der Mobilfunkindustrie unter Zuhilfenahme des Forum Mobilfunkkommunikation" werden von der Ärztekammer neuerlich scharf zurückgewiesen. Es gäbe eine Reihe europaweiter Studien, die eindeutig von möglichen Gefahren hinsichtlich eines Krebsgeschehens durch Mobilfunkstrahlen sprechen, so der Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, Erik Huber. Diese Fakten zu ignorieren bedeute, Profitmaximierung vor Gesundheitsvorsorge zu stellen. ****

Für Huber ist es unverständlich, dass Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg betonen, dass es "bei einem regelmäßigen und moderaten Gebrauch kein erhöhtes Krebsrisiko" gebe, gleichzeitig aber eingeräumt werde, dass man generell zu wenig wüsste, speziell über die Auswirkungen für Langzeit-Intensiv-Nutzer.

"Genau das ist der Unterschied: Wir raten zur Vorsicht, solange es wissenschaftlich fundierte Indizien gibt, dass Mobilfunkstrahlen schädlich sein können, während die Mobilfunk-Lobby weiterhin auf einer kompletten Unbedenklichkeit beharrt." Es werde hier bewusst eine "Verharmlosung" vorgenommen, "die bei der weiten Verbreitung der Mobiltelefonie und dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand aus Sicht eines umfassenden Vorsorgedankens nicht zu rechtfertigen ist", so der Umweltreferent.

Huber erinnert in diesem Zusammenhang, dass ein eindeutiger Kausalzusammenhang zwischen Nikotin und Lungenkrebs erst in den 1990er-Jahren gefunden werden konnte. "Und kein vernünftiger Mensch hätte 1990 noch behauptet, dass Rauchen nicht gesundheitsschädlich sei."

Die Ärztekammer werde daher weiterhin an ihren Warnungen vor möglichen Schädigungen durch Mobilfunkstrahlen festhalten, "also so wenig und so kurz wie möglich telefonieren, das Handy während des Gesprächsaufbaus von Kopf und Körper fernhalten, beim Kauf eines Handys auf einen geringen SAR-Wert achten sowie Kinder möglichst überhaupt nicht telefonieren lassen", so Huber abschließend. (hpp)

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