GMTN-Gesundheitskampagne: Gesundheit der Beschäftigten ist Gewinn für den Betrieb

Über 200 BetriebsrätInnen bei Auftaktveranstaltung in der Steiermark

Tobelbad/Wien (GMTN/ÖGB) - "Investitionen in die Gesundheit der Beschäftigten sind für die Betriebe kein Verlustgeschäft, im Gegenteil", sagte Josef Pesserl, Landessekretär der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN) beim steirischen Auftakt der GMTN-Gesundheitskampagne am 2. Dezember im Rehabilitationszentrum Tobelbad der AUVA. "Jede Investition in betriebliche Gesundheitsförderung fließt als Gewinn in das Unternehmen zurück, aber nicht nur eins zu eins: Der Unternehmensgewinn ist letztendlich um das zwei- bis zehnfache höher als vorhergehende Investitionen." ++++

Über 200 BetriebsrätInnen und JugendvertrauensrätInnen aus der Steiermark waren der Einladung der GMTN gefolgt, um mehr über den Ablauf, die Schwerpunkte und ihre Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Gesundheitskampagne zu erfahren. In seiner Eröffnung hieß Walter Rotschädl, GMTN-Landesvorsitzender und AK-Präsident, die TeilnehmerInnen herzlichen willkommen: "Die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zählen neben den Erhöhungen der Einkommen zu den Kernaufgaben einer Interessenvertretung", sagte Rotschädl. "Damit diese Kampagne Erfolg hat, müssen wir die Arbeitgeber ins Boot holen. Denn Projekte der betrieblichen Gesundheitsförderung funktionieren nur dann, wenn sie von der Betriebsspitze weg getragen und Betriebsrat und Belegschaft mit einbezogen werden", sagte Rotschädl. Anschließend bedankte sich Mag. Helmut Hirt, steirischer Landesrat für Gesundheit, für die Einladung und appellierte an die TeilnehmerInnen: "Gerade jetzt, in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten, müssen wir aufpassen, dass die Gesundheitsförderung nicht wieder am Altar der Einsparungen geopfert wird".

Warum betriebliche Gesundheitsförderung?

In seinem Vortrag ging Prof. Dr. Bernhard Badura von der Universität Bielefeld der Frage auf den Grund, warum Betriebe Gesundheitsförderung betreiben sollen. "Gesundheit nimmt im Betrieb eine sekundäre Stellung ein. Aber ob uns die Arbeit Spaß macht, ob wir uns über gelungene Projekte freuen können, ob wir ein angenehmes Miteinander am Arbeitsplatz vorfinden, nimmt direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden, und damit auf unsere körperliche Gesundheit. Menschen, die mit seelischen Störungen, Krankheiten oder einfach demotiviert in die Arbeit kommen, sind zwar am Arbeitsplatz, bringen aber nicht die volle Leistung", sagte Badura. Er strich damit den entscheidenden Zusammenhang zwischen der Produktion des Betriebes und der Gesundheit der Beschäftigten heraus und stellte klar, dass bedarfsgerechte und fundierte Investitionen in die Gesundheit den Betrieben wesentliche Vorteile bringen.

Beschleunigung ist eines unserer größten Probleme

Auf das Wohlbefinden am Arbeitsplatz ging auch Univ. Prof. Dr. Horst Noack von der Medizinischen Universität Graz ein. "Gesundheit ist abhängig von einem Bündel von Faktoren, z.B. wirtschaftliche Sicherheit, Bildung, kollektives Verhalten aber auch Vertrauen, Zuversicht und Werte", sagte Noack, der erklärte, dass auch im Betrieb ein komplexes Gebilde notwendig ist, damit Gesundheitsförderung funktioniert. "Dazu gehört auch, darauf zu achten, dass MitarbeiterInnen nicht unter extremer Mehrarbeit leiden müssen, wenn andere in der Abteilung krankheitshalber ausfallen", sagte Noack. Als große Auslöser psychischer Belastungen am Arbeitsplatz strich Noack die beschleunigten Arbeitsprozesse heraus:
"Die Beschleunigung ist eines unserer größten Probleme der modernen Entwicklung. Sie führt ins Dilemma, wenn es uns nicht gelingt, Oasen der Ruhe und der Entspannung zu schaffen. Aber zuerst müssen wir die Prozesse, die zur Beschleunigung geführt haben, verstehen, wenn wir sie erfolgreich verändern wollen", sagte Noack abschließend.

Anschließung erklärte Mag.a Christine Finding von der steirischen Gebietskrankenkasse, dass betriebliche Gesundheitsförderung in der Praxis am Besten in Form eines Projektes funktioniert. "In einem mittelgroßen Betrieb läuft ein Gesundheitsförderungsprojekt cirka 2 Jahre", sagte Finding. Sie brachte den TeilnehmerInnen die notwendigen Inhalte und Abläufe eines Gesundheitsprojektes näher und bot ihnen die Unterstützung und Kompetenz der Gebietskrankenkasse an, die von der Analyse der Ausgangslage über die Beratungsleistung bis hin zur finanziellen Unterstützung reicht.

BetriebsrätInnen und JugendvertrauensrätInnen sind Partner im Betrieb

"Auch wenn der aktuelle Wifo-Fehlzeitenreport zeigt, dass die Krankenstände in Österreich rückläufig sind, ist das kein Grund, sich gemütlich zurückzulehnen", leitete Anton Hiden, GMTN-Experte für Arbeitstechnik, seine Vorstellung der GMTN-Gesundheitskampagne ein. "Die wirtschaftlichen Gegebenheiten lösen Ängste um die Arbeitsplätze aus, und der Arbeitsdruck steigt ständig - darauf reagieren die Beschäftigten mit Präsenz an den Arbeitsplätzen trotz Krankheiten. Zeit, unser Gesundheitsbewusstsein wieder aufzupolieren", sagte Hiden. Die Gesundheitskampagne beruht auf fünf thematischen Schwerpunkten: arbeitsbedingte Erkrankungen, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, Arbeitszeit und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit, alternsgerechtes Arbeiten und gesundes Verhalten bei der Arbeit. Eine wesentliche Rolle in der Kampagne spielen BetriebsrätInnen, JugendvertrauensrätInnen, Sicherheitsvertrauenspersonen und BehindertenvertreterInnen. Sie können neue Strategien zur Vermeidung von Belastungen direkt an die Arbeitsplätze tragen. Dafür sind das Wissen von Grundlagen sowie neue Ideen und Erkenntnisse notwendig. Aus diesem Grund umfasst die GMTN-Gesundheitskampagne Seminare, in denen BetriebsrätInnen und JugendvertrauensrätInnen zu "Gesundheitsvertrauenspersonen" ausgebildet werden, mehrere Themenveranstaltungen, eine Befragung der ArbeitnehmerInnen in Zusammenarbeit mit dem IFES sowie umfassendes Informationsmaterial und Gesundheitstage in den Betrieben.

Bis ins Jahr 2010 sind mit der GMTN-Gesundheitskampagne viele Aktionen geplant. Alle Kampagneninfos und Downloads finden Sie unter:
www.gmtn.at/gesundheit

Die GMTN-Gesundheitskampagne wird unterstützt von: Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger, Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz, Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, Pensionsversicherungsanstalt, Gebietskrankenkassen und Arbeiterkammern.

ÖGB, 2. Dezember 2008 Nr. 716

Rückfragen & Kontakt:

Claudia Felix-Marks, GMTN
Tel. (01) 501 46 241, Mobil: 0664 6145 916
claudia.felix-marks@gmtn.at
www.gmtn.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0004