Adventliche Stimmung in der Säulenhalle des Parlaments Ohlsdorfer Bürgermeister Spitzbart übergibt Christbaum an Prammer

Wien (PK) - Robert Musils Werk "Der Mann ohne Eigenschaften", der nicht nur in seiner fragmentarischen Existenz wohl am tiefsten österreichische Roman überhaupt, handelt u.a. von einer "Parallelaktion". Eine Parallelaktion, noch dazu mit literarischen Bezügen, gab es heute auch in Wien. Denn während in der Hofburg die neue Koalitionsregierung angelobt wurde und sich anschließend im Bundeskanzleramt zu ihrer ersten Regierungssitzung zusammen fand, wurde in der Säulenhalle des Parlaments feierlich ein Christbaum übergeben. Als Geber fungierte Wolfgang Spitzbart, Bürgermeister der Gemeinde Ohlsdorf in Oberösterreich, und übernommen wurde der Baum, stellvertretend für das Parlament, von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer. Ohlsdorf - dort verbrachte Thomas Bernhard seit Mitte der 1960er Jahre einen großen Teil seines Lebens, die Gemeinde ist also in der österreichischen Literatur kein geringer Name.

Präsidentin Prammer, die den von der ÖVP vorgeschlagenen Kandidaten für das Amt des Zweiten Präsidenten des Nationalrats, Fritz Neugebauer, Dritten Präsidenten Martin Graf, ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf sowie Abgeordnete zum Nationalrat und Mitglieder des Bundesrats neben zahlreichen Ohlsdorferinnen und Ohlsdorfern begrüßte, wies darauf hin, dass die Angelobung der Regierung und die Übernahme des Christbaums am gleichen Tag erfolgten. Der 2. Dezember 2008 würde sich damit den Ohlsdorferinnen und Ohlsdorfern tief einprägen, meinte Prammer. Bürgermeister Spitzbart habe vor einem Jahr, als ein Christbaum aus Liezen aufgestellt wurde, am schnellsten reagiert und einen Christbaum für 2008 angeboten, sagte Prammer, die ja selbst gebürtige Oberösterreicherin ist.

Bürgermeister Spitzbart würdigte das Verständnis, das Prammer den Gemeinden entgegenbringe, und dankte in umfassender Weise allen, die zum Gelingen des Werks beigetragen hatten, beginnend bei Familie Enichlmayr, die den Baum kostenlos zur Verfügung stellte, bis hin zu allen, die Hand angelegt und Ideen beigetragen hatten. Eigentlich seien es zwei Bäume, stellte Spitzbart in einer kurzen "Biographie" des Baums klar, denn der Christbaum des Parlaments sei "zweistämmig" - ob auch darin eine Parallele zur "zweistämmigen" Koalition zu sehen ist? Der Ohlsdorfer Bürgermeister konstatierte darüber hinaus, dass der Baum "ein wenig schief" stehe; das sei auf die trockene Luft in der Säulenhalle zurückzuführen, sagte Spitzbart. Parallelen zur Koalition mögen am Tag ihrer Angelobung schlicht unangebracht scheinen. Zum Baum gehören Christbaumkugeln, und eine solche überreichte Bürgermeister Spitzbart an Präsidentin Prammer, die er als "höchste Frau im Staat" und Trägerin der zweithöchsten öffentlichen Würde - also noch vor dem Bundeskanzler -apostrophierte.

Auch zwei Bundesräte aus dem Bezirk Gmunden kamen zu Wort. Bundesrat Johannes Peinsteiner zeigte sich nicht nur überzeugt, dass "der Advent im Salzkammergut zu Hause ist", sondern fand auch schön, "wenn die Salzkammergutler in Wean an Bam aufstellen". Sein Bundesratskollege Reinhard Winterauer bezog sich auf Thomas Bernhard und meinte, Kritik müsse man formulieren und ertragen können. Er enthüllte, dass Bürgermeister Spitzbart, der den rechten Arm eingebunden in einer Schlinge trug, sich diese Verletzung bei der Suche nach dem Christbaum für das Parlament zugezogen habe. Offenbar können Parallelaktionen auch Opfer fordern und Politiker zum Stolpern bringen. Um bei Musil und dem "Mann ohne Eigenschaften" zu bleiben:
Bei welcher der beiden Aktionen, die heute parallel zu einander abgelaufen sind, eher der Wirklichkeitssinn und wo eher der Möglichkeitssinn zu Hause war, mag als Frage offen bleiben.

Musikalisch gestaltet wurde die adventliche Feier in der Säulenhalle vom Volksliedchor Ohlsdorf (Leitung: Alois Schausberger), von der Köcker Musi im Ohlsdorfer Dirndl und von der Feichtlgut Band "TIP TOP". (Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPA0004