"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Das Team der Rivalen"

Ausgabe vom 2. Dezember 2008

Innsbruck (OTS) - Mit der Wahl von Hillary Clinton als Außenministerin hat der designierte US-Präsident Barack Obama Freunde und Feinde verblüfft. Wie er sich über die Bitterkeit des Vorwahlkampfs hinweggesetzt hat, sagt viel über den kühlen Kopf, den Führungsstil und den Pragmatismus des nächsten Präsidenten. Ebenso überraschend kam, dass Clinton das Angebot angenommen hat. Unter politischen Insidern in Washington galt es als ausgeschlossen, dass sie unter Obama arbeiten würde.

Für Clinton als Außenministerin spricht erstens, dass sie weltweit bekannt und beliebt ist und noch aus dem Wahlkampf in allen internationalen Themen auf dem jüngsten Stand. Sie kann sofort mit der Arbeit beginnen. Zweitens gilt Clinton wie wenige andere als politisches Schlachtross im besten Sinn: Sie ist diszipliniert, detailverliebt, unermüdlich, steckt Rückschläge weg und kann im Auftreten je nach Bedarf zwischen weich und hart wechseln. Das hat sie im Vorwahlkampf eindrucksvoll bewiesen. Drittens hat Obama mit ihrer Nominierung die Hillary-Fraktion in der eigenen Partei zufrieden gestellt und seine einstige Rivalin zugleich innenpolitisch kaltgestellt. Sie steht als Kopf einer möglichen parteiinternen Opposition im Kongress nicht zur Verfügung.
Aber auch Clinton, deren Präsidentschaftsambitionen wohl ausgeträumt sind, hat etwas zu gewinnen: Sie tauscht die oft unbedankten Mühen der Arbeit als Senatorin gegen die Weltbühne und die Chance auf ein internationales Vermächtnis.

Alles hängt nun davon ab, wie gut Obama und Clinton sich abstimmen. Beide haben sich als wandlungsfähige Realisten erwiesen. Gut möglich, dass das Team der Rivalen nach den politischen Insidern in Washington auch den Rest der Welt verblüfft.

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