"Kleine Zeitung" Kommentar: "Einübung in die Zuversicht" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 30.11.2008

Graz (OTS) - =

Neil Postman forumulierte in den achtziger Jahren die
These, dass die Unterhaltungsindustrie, das Fernsehen, zu einem Verfall der menschlichen Urteilskraft und Denkfähigkeit führe. Wir amüsieren uns zu Tode. So hieß sein Buch. Es wurde Kult - und Teil der Unterhaltungsindustrie.

In Abwandlung des Titels ist man heute versucht zu sagen: Wir ängstigen uns zu Tode.

Die Furcht vor Arbeitslosigkeit und ungewisser Zukunft prägen das Lebensgefühl. Wie die Zerstreuungssucht zersetzt auch die Angst den Geist. Sie frisst sich nicht nur in die Seele, sie bedroht auch den Organismus der Wirtschaft.

Konsumenten konsumieren nicht mehr, Banken halten Kredite zurück, Unternehmer investieren nicht mehr. Ein derbes Bild des deutschen Ökonomen Karl Schiller wird wahr: "Die Eimer sind voll, aber die Pferde saufen nicht." Angst lähmt. Sie ist nur in geringer Dosis Garant für Wachheit und Vorsicht. Im Übermaß ist sie lebens- und wirtschaftsfeindlich.

Der Staat, die Politik, sie müssen diesem Klima entschlossen entgegenwirken. Sie müssen Steuern senken, investieren, befeuern, bei der Bürokratie sparen und Mut machen.

Auch den Medien fällt hier Verantwortung zu. Worte bestimmen die Wirklichkeit mit.

Medien können freilich nicht die Kapelle auf der Titanic sein, die die Wirklichkeit nicht zur Kenntnis nimmt. Manipulation aus edlem Motiv, das geht nicht. Die Krise ist da und sie ist bösartig, wie "Die Zeit" schreibt.

Naive Hoffnung, die sich der Realität nicht stellt und zuwendet, ist ein untaugliches Rezept.

Was Medien tun können: der Schwerkraft der negativen Nachricht nicht den ganzen Raum geben; kein lustvolles Verhältnis zu ihr entwickeln; Krise nicht als etwas schicksalhaft Apokalyptisches darzustellen, das kein Handeln zulässt und keine Perspektive außer jener der Auslöschung, der "schöpferischen Zerstörung", wie das der National-Ökonom Schumpeter einmal nannte.

Fortschritt durch Sprengung: Die Brachial-Lehre ist nur in jenen Nischen statthaft, wo der Lebenszyklus eines Produkts ohnedies an sein Ende kommt. Überall sonst gelten die Grundsätze der Vorbeugung:
Wer sich rechtzeitig zurüstet und seine Systeme überprüft (was mache ich anders / besser / neu / nicht mehr?) und mit dieser Introspektion nicht wartet, bis der Beweis der Bedrohung schriftlich vorliegt, wird aus dem Sturm gestärkt hervorgehen.

Die Manager müssen den verunsicherten Mitarbeitern diese Perspektive vermitteln können. Sie müssen sie auf ein Ziel hin ausrichten. Nur so ist Einsicht in das Notwendige möglich und produktive Zuversicht. Angst ist schlecht, auch fürs Geschäft. Angst rechnet sich nicht. ****

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