"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Gewählt, aber nicht gestärkt" (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 29. November 2008

Innsbruck (OTS) - Pröll muss die internen Kritiker zur Ruhe bringen. Er braucht die Energie, um gegen Faymann zu bestehen.

Josef Pröll wurde gestern erwartungsgemäß mit großer Mehrheit zum neuen Bundesparteiobmann der ÖVP gewählt. Auch die parteiinternen Pröll-Kritiker haben eingesehen, dass die Partei jetzt alles gebrauchen kann, nur nicht schon wieder eine Obmanndebatte. Nichts würde der nach dem Wahldebakel ohnedies angeschlagenen VP mehr schaden als ein beschädigter Parteichef, der sich auf seine Hintermänner nicht verlassen kann.

Das gestrige Wahlergebnis zeigt, dass auch ein großer Teil jener Funktionäre hinter Pröll steht, der gegen eine Regierungsbeteiligung gestimmt hat. Geeint aber ist die Partei noch lange nicht. Obwohl der neue Parteichef bei den Koalitionsgesprächen nicht schlecht verhandelt hat - immerhin sicherte er dem Wahlverlierer ÖVP sämtliche Schlüsselressorts -, wollen und wollen die Diskussionen in den eigenen Reihen nicht aufhören.

Pröll muss hier rasch für Ruhe sorgen, will er nicht dasselbe Schicksal wie Josef Riegler oder Erhard Busek erleiden: Beide fielen dem VP-immanenten Obmann-Gemetzel zum Opfer, das üblicherweise durch Treueschwüre eingeleitet wird. Buseks Nachfolger war übrigens Wolfgang Schüssel, der heute als Mastermind der Pröll-Gegner die Fäden zieht.

Der neue VP-Chef wird seine ganze Energie auch dazu brauchen, um gegen Werner Faymann zu bestehen. Bei aller demonstrativen Freundschaft und Gemeinsamkeit innerhalb der neuen Regierung werden der SPÖ-Obmann und hinter seinem Rücken die Kronenzeitung keine Chance auslassen, um dem Koalitionspartner eins auszuwischen. Lächelnd, versteht sich.

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