Finanzkrise als Chance für die Wissenschaft

Wien (OTS) - Anlässlich des Besuchs von Prof. John Beddington, Chief Scientific Adviser der britischen Regierung, lud der British Council gestern, 27. November 2008, zu einer Diskussion zum Thema "Die Auswirkungen der Finanzkrise auf Wissenschaft und Forschung" in die Britische Botschaft.

Mit Prof. John Beddington diskutierten Dr. Ludovit Garzik, RFTE, Mag. Leonhard Jörg, FFG und Prof. Mahendra Shah, IIASA. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Klaus Taschwer, Der Standard.

"Diese Krise ist ernster als alles, was die Welt je gesehen hat. Und das ist erst der Anfang", zeichnete Prof. Shah von der IIASA, Laxenburg ein Bild von der derzeitigen Lage am Finanzmarkt. Denn die weltweite Finanzkrise muss in einem globalen Kontext betrachtet werden. Durch Klimaveränderung, Nahrungsmittelknappheit, Wassermangel und einem Mangel an Zugang zu Bildung in Entwicklungsländern werden längerfristig die Negativeffekte der Finanzkrise auch in Europa zu spüren sein. Wissenschaft und Forschung müssen hier an einem wesentlichen Punkt ansetzen, um innovative Lösungen für die Probleme zu finden. Die nationalen Regierungen und Wirtschaften sind angehalten, die Ressourcen sinnvoll und nachhaltig zu verteilen.

Auf nationaler Ebene sieht man sich dem Trend gegenüber, dass derzeit eher in Kurzprojekte investiert wird, so Mag. Leonhard Jörg. Womöglich um Österreichs High Potentials an ihren Stammforschungsstandort zu binden und sie sinnvoll zu beschäftigen -die Vermeidung eines branchenspezifischen brain-drains?
Dr. Ludovit Garzik plädiert dafür, gerade jetzt in Zeiten einer Finanzkrise gezielt in Forschung und Entwicklung zu investieren. Denn diese Investitionen legen die Grundlage für das Wirtschaftswachstum der Zukunft.

Eine sinnvolle Investition, über die sich alle DiskutantInnen einig waren, ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Prof. Beddington zog als Beispiel sogenannte "science ambassadors" in Großbritannien heran - High Potentials, die in Schulen gehen, um über ihre Erfahrungen in der Forschung zu berichten. Ein Ansatz, der dem defizitärem Interesse der SchülerInnen an Technik- und Naturwissenschaften entgegenwirken soll.

Ein positiver Sideeffekt der Finanzkrise ist, dass viele der High-Potentials, die in Hochkonjunkturzeiten direkt von den Universitäten von Konzernen und Banken abgeworben wurden, nun an die Universitäten und Forschungseinrichtungen zurückkommen könnten. Ein Gewinn für die Wissenschaft!

Das Wort Krise kommt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie "Zeit der Entscheidung" oder "entscheidende Wendung". Doch wer soll welche Entscheidungen im Hinblick auf eine nachhaltige Forschungslandschaft treffen und viel wichtiger: Wie kann man diese Durststrecke überbrücken? Fragen, über die sich auch die neue österreichische Regierung noch Gedanken machen muss.

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