ÖGB: Krankenstands-Statistik zeigt Präventionsbedarf

Auch Maßnahmen für ältere ArbeitnehmerInnen Gebot der Stunde

Wien (ÖGB) - "Die Krankenstände werden weniger, aber bereits ein Viertel davon ist auf Muskel-Skelett-Erkrankungen zurückzuführen. Ein Gebot der Zeit ist eine flächendeckende betriebliche Gesundheitsförderung und die Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen", sagt ÖGB-Expertin Karin Zimmermann anlässlich der Präsentation des WIFO-"Fehlzeitenreport 2008" gestern, Donnerstag. Markant sei auch, dass BesserverdienerInnen eine unterdurchschnittliche Krankenstandswahrscheinlichkeit aufweisen.++++

Die Entwicklung der Krankenstände verlief in Österreich zwischen 2000 und 2006 rückläufig: 2006 waren die Beschäftigten im Schnitt 11,5 Tage im Krankenstand. Das stellt einen historischen Tiefstwert dar. "Trotzdem dürfen wir uns nicht einfach zurücklehnen, denn kürzere Krankenstände sind immer auch ein Anzeichen von größer werdendem Druck am Arbeitsplatz - und nicht von mehr Gesundheit", sagt Zimmermann. Im deutschen Fehlzeitenreport wurde das Phänomen Präsentismus - also ArbeitnehmerInnen, die trotz Krankheit zur Arbeit gehen - näher untersucht. Gründe dafür sind unter anderem der Arbeitsdruck und die Angst um den Arbeitsplatz. Präsentismus führt langfristig zu längeren Krankenständen. "Dem müssen wir gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit entgegenwirken" fordert die ÖGB Gesundheitsexpertin.

25 Prozent der krankheitsbedingten Fehlzeiten entfallen laut Fehlzeitenreport 2008 auf die Über-50-Jährigen, die allerdings nur 16 Prozent der gesamten Beschäftigten ausmachen. Die Umsetzung des EU-Lissabon-Ziels der verstärkten Erwerbsbeteiligung älterer Menschen wird auch die Krankenstände der älteren ArbeitnehmerInnen weiter erhöhen. "Die Wirtschaft muss daher die Belastungen in der Arbeitswelt weiter reduzieren und verstärkt auf die Bedürfnisse älterer ArbeitnehmerInnen Rücksicht nehmen. Alternsgerechte Arbeitsorganisation darf allerdings nicht erst für ArbeitnehmerInnen ab 45 Jahren aktuell werden, sondern soll gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen im gesamten Arbeitsleben sicherstellen. Zudem ist die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen anzupassen und zum Beispiel neue Altersteilzeitmodelle umzusetzen, wie sie die Sozialpartner schon im vergangenen April vorgelegt haben", fordert der ÖGB.

"Es ist aber auch notwendig, das Gesundheitsbewusstsein der Menschen zu fördern. Gesundheitsförderliche Maßnahmen auf betrieblicher Ebene haben die Möglichkeit, krankenstandsverhindernd oder -verkürzend zu wirken und damit sowohl den Unternehmen als auch der gesamten Volkswirtschaft massive Ersparnisse zu bringen.", so Zimmermann abschließend.

Prävention - das fordert der ÖGB von der neuen Regierung:

+ Eine gesetzlich verankerte nationale Gesundheitsförderungs- und Präventionsstrategie, mit Gesundheitszielen und laufender Evaluierung der Umsetzung, sowie einem Zusammenarbeitsgebot von Sozialversicherungen, Bund und Ländern. Die Finanzierung ist sicherzustellen.

+ Flächendeckende betriebliche Gesundheitsförderung und die Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen, wobei insbesondere die gesetzliche Verpflichtung der AUVA zur Prävention zu verankern ist. Ins Arbeitsrecht sind endlich erzwingbare Betriebsvereinbarungen zu betrieblicher Gesundheitsförderung und alternsgerechtem Arbeiten aufzunehmen.

+ Zielgruppenorientierte Medizin und Forschung, beispielsweise für Frauen, Männer, Jugendliche und verschiedene Branchen, eine Modernisierung des ArbeitnehmerInnenschutzrechtes mit verpflichtenden Maßnahmen zu alternsgerechtem Arbeiten und entsprechenden branchenbezogenen Leitlinien, ein Mobbinggesetz, das Mobbing unter Strafe stellt, eine personelle Aufstockung der Arbeitsinspektion zur verstärkten Kontrolle von Schwerarbeit, Arbeitszeit, arbeitsbedingten psychischen Belastungen sowie die gesetzliche Stärkung der ArbeitspsychologInnen.

+ Die gesundheitliche Versorgung muss ein öffentliches Anliegen bleiben und darf nicht zur Privatsache der betroffenen Menschen werden.(fk)

ÖGB, 28. November 2008 Nr. 708

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