Fehlzeitenreport 2008: Breiter Konsens bezüglich Reduktion von Krankenständen

Analyse der krankheits- und unfallbedingten Fehlzeiten von Österreichs unselbständig Beschäftigten - Gesundheitsförderung und Prävention nach wie vor wichtiges Thema

Wien (PWK919) - Die krankheits- und unfallbedingten Fehlzeiten der unselbständig Beschäftigten in Österreich sind in den letzten 20 Jahren kontinuierlich gesunken. Der kurze Anstieg 2007 sollte uns aber trotzdem daran erinnern, dass wir weiterhin Maßnahmen in der Gesundheitsförderung und Prävention setzen müssen. Dafür werden wir uns auch aktiv einsetzen", sagte Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), anlässlich der Präsentation des Fehlzeitenreports 2008 gestern, Donnerstagabend im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Josef Probst, stellvertretender Generaldirektor im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, dass ein gesunder Lebensraum Betrieb einen wichtigen Beitrag zur gesundheitspolitischen Vision "Für ein selbstbestimmtes Leben in guter Gesundheit zu sorgen" leistet. "Der Fehlzeitenreport zeigt, dass der Arbeitswelt im Gesamtkonzept der Gesundheitspolitik eine wichtige Rolle zukommt. Gesundheitspolitische Maßnahmen auf betrieblicher Ebene haben die Möglichkeit, auf alle Dimensionen der Gesundheit Einfluss zu nehmen", so Probst. Modelle guter Praxis gibt es genug, wir müssen uns anstrengen mehr Betriebe und mehr ArbeitnehmerInnen zu erreichen.

Die Schwerpunkte des diesjährigen Berichts sind eine Analyse Österreichs im internationalen Vergleich und die Auswirkungen von Langzeitkrankenständen auf die Erwerbskarriere. Weiters wird Augenmerk auf gesundheitspolitische Maßnahmen auf betrieblicher Ebene wie beispielsweise betriebliche Gesundheitsförderung oder Sicherheits- und Gesundheitsmanagement gelegt. "Die betriebliche Gesundheitsförderung ist ein wichtiges Instrument, um die Gesundheit der Bevölkerung aufrecht zu erhalten und somit eine dreifache Win-Situation - nämlich für die Arbeitnehmerinnen und Arbeiter, die Betriebe und für die Gesellschaft - zu erzeugen", stellte Gleitsmann fest.

Der Fehlzeitenreport zeigt, dass nach wie vor Krankheiten der Atmungsorgane und des Muskel-Skelett-Systems zusammen mit den Unfällen (Arbeit, Freizeit und Sport) für den überwiegenden Teil der Fehlzeiten verantwortlich sind. Die Bekämpfung dieser Krankheitsursachen fällt auch in die Kompetenz der AUVA, wo Prävention einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Deren Obmann Hans-Jörg Schelling bestätigte dies: "Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die krankheits- und unfallbedingten Fehlzeiten in Österreich zu senken. Das liegt sowohl im Interesse der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer." Schelling strich hier die Notwendigkeit von trägerübergreifenden Kooperationen hervor. "Dabei sollte derjenige die Aufgabe übernehmen, der die meiste Kompetenz dafür hat -natürlich gegen entsprechende Kostenbeteiligung der Nutznießer."

Gemäß Fehlzeitenreport 2008 sind die Krankenstände in den Jahren 2000 bis 2006 kontinuierlich zurückgegangen. Für Karin Zimmermann vom ÖGB ist das zwar prinzipiell ein positives Signal, die steigende Entwicklung bei den Kurzkrankenständen sei aber kritisch zu sehen. "Wir dürfen uns nicht einfach zurücklehnen, denn kürzere Krankenstände können auch ein Anzeichen von größer werdendem Druck am Arbeitsplatz sein und nicht von mehr Gesundheit", so Zimmermann. Der ÖGB fordert deshalb, dass gerade auch psychische Belastungen bei der Arbeit verstärkt präventiv behandelt werden und Gesundheitsförderung auch in allen anderen Lebenswelten abseits der Arbeitswelt eine wichtige Rolle zukommt. "Wichtig wäre im diesem Zusammenhang ein nationales Gesundheitsförderungs- und Präventionsgesetz", so Zimmermann.

Ähnlich sieht diese Entwicklung die Arbeiterkammer. "Die Entwicklung der Krankenstände ist zwar rückläufig, doch wenn wir beispielsweise die Beschäftigung der Älteren erhöhen wollen, so ist eine stärkere Befassung mit den krankmachenden Faktoren in der Arbeitswelt notwendig", so Helmut Ivansits, Leiter der Abteilung Sozialversicherung und Gesundheitspolitik in der AK Wien. Daher verlangt die Arbeiterkammer eine rasche Neuordnung der Altersteilzeit und weitere Unterstützung von Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung als präventive Maßnahme zur Erhaltung und Förderung der Arbeitsfähigkeit.

Für Christoph Hörhan, Leiter des Fonds Gesundes Österreich, ist es eine erfreuliche Entwicklung, dass die Krankenstandszahlen in diesem Zeitraum gesunken sind. "Es ist sicher kein Zufall, dass im gleichen Zeitraum Gesundheitsförderung in Betrieben deutlich ausgebaut wurde. Allein der Fonds Gesundes Österreich hat in dieser Zeit über 7 Millionen Euro in fast 300 betriebliche Gesundheitsförderungsprojekte investiert", erklärte Hörhan. Auch für die Zukunft soll dieser Schwerpunkt beibehalten werden. "Wir wollen das große Potential, das in diesem Bereich schlummert, nutzen und die betriebliche Gesundheitsförderung weiter ausbauen", so Hörhan.

Wie der Umgang mit Fehlzeiten in der Praxis funktioniert, erklärte der steirische Transportunternehmer Viktor Wratschko. "Die betriebliche Gesundheitsförderung nimmt in unserem Betrieb einen sehr hohen Stellenwert ein und wird auch aktiv gelebt. Vor allem den Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter muss ich hier hervorstreichen, denn sie sind mit ganzem Herzen dabei." Wratschko hat mit seinem Unternehmen heuer den steirischen Gesundheitspreis "Fit im Job" in der Kategorie ein bis 20 Mitarbeiter gewonnen.

Beim Blick in die Zukunft waren sich alle Beteiligten einig: Der sinkende Trend bei den Krankenstandszahlen soll weiter beibehalten werden, auch wenn für 2007 ein leichter Anstieg zu verzeichnen ist. Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention unter Mithilfe aller Beteiligten sollen helfen, dieses Ziel umzusetzen. (JR)

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