• 20.11.2008, 14:14:47
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BR-Präsident Weiss: Diskussionskultur wichtig für Demokratie Politik-Lexikon für junge Leute im Palais Epstein präsentiert

Wien (PK) - Was versteht man konkret unter "Demokratie", was bedeuten
im politischen Zusammenhang Begriffe wie "Gewaltmonopol", "Kabinett",
"Subsidiarität" oder "Hoheitsgebiet"? Antworten darauf versucht das
"Politik-Lexikon für junge Leute" zu geben, das in diesem Jahr im
Verlag Jungbrunnen erschienen ist. Heute wurde es von Reinhold
Gärtner, der das Lexikon in Zusammenarbeit mit Sigrid Steininger
erarbeitet und zusammengestellt hat, im Rahmen der
Demokratiewerkstatt des Parlaments im Palais Epstein präsentiert. Es
soll Jugendliche ab 12 Jahren in die Welt der Politik einführen, aber
auch Erwachsene, die Kinder und Jugendliche auf dem Weg des
politischen Lernens begleiten, mit prägnanten Erklärungen
unterstützen.

Weiss: Wissen ist Voraussetzung für Diskussionskultur

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Präsidenten des
Bundesrats, Jürgen Weiss. Dabei unterstrich er die Wichtigkeit einer
Diskussions- und Streitkultur, wofür aber Wissen Voraussetzung sei.
Eine faire Diskussion und der sachliche Austausch unterschiedlicher
Standpunkte seien unabdingbar für eine lebendige und funktionierende
Demokratie, sagte Weiss. Es wäre fatal, würden Bürgerinnen und Bürger
meinen, mit der Stimmabgabe bei Wahlen ende ihre politische
Einflussmöglichkeit. Junge Menschen müssten daher das Gefühl dafür
entwickeln, wie solche politischen Diskussionen ablaufen. Das
gegenständliche Politik-Lexikon sei eine gute Basis, sich die nötigen
Informationen zu holen. Es sollte nicht nur an den Schulen eingesetzt
werden, auch im Bereich der Integration wäre ein solches Lexikon von
großem Wert, meinte der Bundesratspräsident.

Gärtner: Mitwählen heißt mitreden

Die wesentliche Motivation für die Entstehung des Lexikons sei die
Senkung des Wahlalters auf 16 gewesen, betonte Reinhold Gärtner in
seiner Einleitung. Mitwählen heiße mitreden, weshalb man für diese
Zielgruppe das nötige Wissen in einer adäquaten Sprache zur Verfügung
stellen wollte. Die größte Schwierigkeit bei der Zusammenstellung
habe darin bestanden, zu entscheiden, welche Begriffe man tatsächlich
aufnimmt.

In der an die Buchpräsentation anschließenden Diskussion konnten die
anwesenden Schülerinnen und Schüler des BRG 2 Vereinsgasse und der
Vienna Business School an BR-Präsident Weiss sowie an den Autor
Reinhold Gärtner und die TV-Moderatorin Ingrid Thurnher Fragen zu
Politik und Demokratie richten. Moderiert wurde die Diskussion von
Roman Pfefferle, Universität Wien.

Aus den Antworten von Ingrid Thurnher und Jürgen Weiss konnten die
Jugendlichen die unterschiedlichen Aufgaben der Politik einerseits
und der Medien andererseits nachverfolgen. Thurnher wies in diesem
Zusammenhang auf die Aufgabe von Journalistinnen und Journalisten
hin, nicht nur Informationen über politische Vorhaben und
Entscheidungen zu transportieren, sondern diese auch mit
Hartnäckigkeit zu hinterfragen. Der Präsident des Bundesrats maß
allgemein der Kritikfähigkeit der Menschen besondere Bedeutung bei.
"Man muss den Leuten auf die Finger schauen", appellierte er an die
Jugendlichen.

Die Diskussion gab aber auch die Möglichkeit, etwas über den Beginn
des politischen Interesses der Diskussionsteilnehmer am Podium zu
erfahren. So erzählte Ingrid Thurnher, sie habe sich erstmals im Zuge
der Volksabstimmung über Zwentendorf für Politik interessiert. BR-
Präsident Weiss war schon in jungen Jahren politisch aktiv, er hat in
der Schule eine Jugendorganisation aufgebaut, weil er etwas
einbringen wollte, wie er anmerkte. Die beiden "outeten" sich auch
auf die Frage aus dem Publikum, welches Ministeramt sie am liebsten
innehätten, dass sie sich um das Finanzministerium "streiten" würden.
Gärtner wiederum zog das Innenministerium wegen seiner
Integrationsagenden vor.

Ein Lexikon als Buch und als Internetversion

Das Lexikon gibt zu mehr als 600 Stichwörtern Erklärungen und enthält
zahlreiche Verweise, ein umfangreiches Abkürzungsverzeichnis und rund
300 Abbildungen, Grafiken, Tabellen sowie zusätzliche
Informationskästen und Internetressourcen. Es richtet sich an
Jugendliche, die nicht nur Begriffe zur österreichischen Innenpolitik
und zum Parlamentarismus suchen - wie etwa Ausschuss, Fraktion,
Klubzwang, Nationalrat, Bundesrat, Gesetz, politische Kultur,
Legislaturperiode etc. Sie finden darin auch Informationen über die
EU und ihre Institutionen, über internationale Institutionen, wie die
UNO, und über globale Fragen. Wer sich für Wirtschaft interessiert,
kann in Erfahrung bringen, was man beispielsweise unter einer Aktie
versteht, wann man von einer Rezession spricht oder welche Aufgaben
die Österreichische Nationalbank, die Europäische Zentralbank und der
Internationale Währungsfonds haben. Aber auch angrenzende Bereiche
aus der Geschichte (z.B. Kommunismus, Nationalsozialismus,
Kolonialismus etc.) und der Gesellschaftspolitik kommen nicht zu
kurz. Feminismus, Frauenbewegung, Mündigkeit werden ebenso behandelt
wie Migration und Mindestlohn.

Da Politik täglich Änderungen bewirkt, Wahlen stattfinden und neue
Gesetze beschlossen werden, sind demnach auch laufend Änderungen im
Lexikon selbst notwendig. Eine Internetversion unter www.politik-
lexikon.at bietet daher aktuelle Einträge. Darüber hinaus stellt das
"Politiklexikon online" eine Volltextsuche sowie die Möglichkeit für
Rückmeldungen und aktuelle Ankündigungen bereit.

Das Buch ist auf eine Initiative des Bundesministeriums für
Unterricht, Kunst und Kultur hin entstanden und wurde von der
Demokratie-Initiative der Bundesregierung gefördert. Der in der
Öffentlichkeit geäußerten Kritik, die Darstellungen seien manchmal
einseitig, Wichtiges werde nicht erwähnt, wurde seitens des
Ministeriums (Sigrid Steininger) mit dem Hinweis begegnet, es gebe
keine absoluten Wahrheiten, unterschiedliche Einschätzungen blieben.

Sigrid Steininger arbeitet seit 1990 in der Abteilung Politische
Bildung im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.

Reinhold Gärtner ist seit 2001 a. Univ. Prof. am Institut für
Politikwissenschaft der Universität Innsbruck. Seine Schwerpunkte in
Forschung und Lehre sind Rassismus und Antisemitismus,
Rechtsextremismus in Österreich, politisches System Österreichs,
Ausländerpolitik und Politische Bildung. Er arbeitet in der
LehrerInnenfortbildung und hält Kurse für rechtsextrem auffällige
Jugendliche. (Schluss)

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas
zeitverzögert - auf der Website des Parlaments im Fotoalbum:
www.parlament.gv.at

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at

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