Projekt: Dynamo - Netzwerk für die Jugend

Projekt punktet mit BildungspartnerInnen und MentorInnen

Wien (OTS) - Die Wiener Volkshochschulen Rudolfsheim - Fünfhaus
und Ottakring und das Integrationshaus präsentierten am 20. November um 10.00 Uhr im Café-Restaurant Max das Projekt Dynamo - Netzwerk für die Jugend. Dynamo ist ein Netzwerk zur Vermittlung von Basisqualifikationen und Bildungsabschlüssen für Jugendliche sowie zur Integration in das Bildungssystem und den Arbeitsmarkt. Zielgruppe sind Jugendliche mit Migrationshintergrund von 15 bis 25 Jahren. Finanziert wird Dynamo vom Europäischen Sozialfonds, dem bm:ukk, der MA 17 und dem WAFF. Das Netzwerk für die Jugend - Dynamo - integriert drei Projekte für die Bedürfnisse von Jugendlichen: Das Projekt JUBIZ (VHS Ottakring), das Projekt ISIS (VHS Rudolfsheim -Fünfhaus) und das Projekt Jugend, Bildung & Arbeit (Verein Projekt Integrationshaus).

Projekt JUBIZ - Das Jugendbildungszentrum an der VHS Ottakring

Dynamo wird koordiniert vom JUBIZ, dem Jugendbildungszentrum an der VHS Ottakring. Das JUBIZ arbeitet in vier Teams: Beratung, Alphabetisierung und Basisbildung, Sprachförderung und Qualifikation (Hauptschulabschluss und KomFlex). Begleitend zu allen Lehrgängen werden die Jugendlichen von SozialarbeiterInnen betreut. Die Erfolgsquoten sprechen für sich: zwischen 75 % und 90 % der Jugendlichen erreichen im JUBIZ das Bildungsziel, das sie sich gesteckt haben.

Dr.in Michaela Judy zu den Zielen: "Wir arbeiten an einer möglichst umfassenden Begleitung von Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen keine ungebrochene "Bildungskarriere" auf dem ersten Bildungsweg machen konnten. Ein weiterer Schritt dazu startete vor eineinhalb Monaten: Seit Oktober besuchen 15 junge Erwachsene an der VHS Ottakring einen neuen Tages-Lehrgang für die Berufsreifeprüfung."

Täglich kommen rund 180 bis 200 Jugendliche in eine der traditionsreichsten Volkshochschulen Wiens, um zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Judy zu den Schwierigkeiten, die auch entstehen können: "Der Alltag mit unseren unterschiedlichen LernerInnengruppen ist angewandtes Managing Diversity. Denn Jugendliche haben andere Bedürfnisse und Kommunikationsstile als etwa ältere Teilnehmende, sprachliche Missverständnisse kommen mitunter dazu. Das fordert uns:
Wir müssen mit den Menschen reden, anders geht es gar nicht. Und die positive Kehrseite sagen uns die Menschen dann oft mit den Worten:
"Bei euch ist es so lebendig." Das ist es, was dieser hohe Anteil an jungen Menschen für unsere alte VHS tut."

Jugendlichen eine Perspektive zu geben, sieht sie als wichtiges gesellschaftspolitisches Anliegen: "Dynamo orientiert sich an den Jugendlichen, die nach verlässlichen Strukturen suchen, innerhalb derer sie sich in ein Erwachsenenleben hinein entwickeln können. Ich halte es für essentiell für den sozialen Frieden, dass jungen Menschen vermittelt wird, dass sie ein Teil der Zukunft der Gesellschaft sind, in der sie leben, dass sie in ihr wichtig sind. Gelingt das nicht, sind die Folgekosten über Jahrzehnte zu spüren, sozial wie materiell", so Dr.in Michaela Judy, Leiterin der VHS Ottakring.

Projekt ISIS - Integration von SchülerInnen in Schulen

Das Projekt ISIS der VHS Rudolfsheim - Fünfhaus hat als vorrangiges Ziel, den Lernerfolg von SchülerInnen aus berufsbildenden mittleren und höheren Schulen mit dem Schwerpunkt 1. und 2. Klassen durch individuelles Lernchoaching in Kleingruppen zu fördern. Mag.a Eva Schröder, Leiterin der VHS Rudolfsheim - Fünfhaus, zum Projekt:
"Der Fokus liegt auf der
Förderung der sprachlichen Kompetenzen vor allem in Deutsch und Englisch, aber auch auf den wirtschaftlichen Fächern (BWL, RW). Daneben werden den TeilnehmerInnen auch Lerntechniken und -strategien, z.B. Lernzielformulierung, Erstellung von Lerntagebüchern und Reflexion des Lernprozesses vermittelt, die den LernerInnen längerfristig das selbstgesteuerte und autonome Lernen ermöglichen sollen."

Das Angebot von ISIS umfasst auch begleitende Sozialarbeit bzw. Beratungstätigkeit, die bei mangelnder Motivation, ausbleibenden Lernerfolgen durch unregelmäßigen Schulbesuch oder drohendem Drop-out unterstützend arbeitet und alternative Bildungsangebote stellen kann. Durch die Vernetzung mit Bildungs- und Sozialeinrichtungen in Wien ist eine Vermittlung von und zu ISIS möglich.

Die Einbindung des Projekts ISIS in den 15. Bezirk ist Eva Schröder ein besonderes Anliegen: "Der 15. Bezirk ist durch seine spezielle demografische Struktur auch ein Bezirk mit besonderen Bedürfnissen. Mit unterschiedlichen geförderten Maßnahmen, in Kooperation mit entsprechenden Bezirksorganisationen, gibt es zwar bereits ein breites Bildungs- und Freizeitangebot für unterschiedliche Zielgruppen im Bezirk. Speziell im
Schulbereich aber reichen die gestellten Zusatzangebote häufig nicht aus, um vorhandene Defizite zu erkennen und zu bearbeiten, oder notwendige Unterstützung und gewünschte Ziele zu bringen. Besonders Jugendliche, die von zu Hause nicht das nötige Verständnis bzw. entsprechende Unterstützung bekommen, bleiben leider oft auf der Strecke."

Bei der Präsentation des Projekts ISIS in entsprechenden berufsbildenden mittleren und höheren Schulen des 15. Bezirks wurde der Bedarf seitens der LehrerInnen und SchulleiterInnen noch einmal klarer: "So ein Angebot haben wir uns schon immer gewünscht", war ermutigend und die Voraussetzung für gute Zusammenarbeit und einen guten Start. Der Bedarf an zusätzlicher Unterstützung zeigt sich anhand der aktuellen Wiener Schulstatistik, nach der 40 % der berufsbildenden mittleren Schulen und 22 % der berufsbildenden höheren Schulen von SchülerInnen mit einer anderen Erstsprache als Deutsch besucht werden.

Projekt Jugend, Bildung & Arbeit - Verein Projekt Integrationshaus

Zur optimalen Begleitung und Unterstützung der jugendlichen TeilnehmerInnen werden ehrenamtliche BildungspartnerInnen im Integrationshaus geschult, die den Jugendlichen auf sprachlicher, fachlicher und kultureller Ebene aktiv unterstützend zur Verfügung stehen.

DSA Andrea Eraslan-Weninger, MSc, Geschäftsführerin des Integrationshauses, zu den BildungspartnerInnen: "Der Großteil sind StudentInnen sowie PensionistInnen, deren Erfahrung und Wissen den jugendlichen PartnerInnen zu Gute kommen. Unsere Erfahrungen haben aber gezeigt, dass dieses Konzept eine typische Win-Win-Situation ist. Sehr oft verhält es sich so, dass die Jugendlichen den BildungspartnerInnen einen Zugang zu ihren Communities eröffnen, der sonst nicht möglich wäre."

Patrick Bongola, Tres Monos-Frontman, Filmemacher und Schauspieler, wird als Bildungspartner in das Projekt einsteigen. Seine Motivation dafür: "Ich weiß, wie schwer es für manche Jugendliche sein kann, sich in einer fremden Gesellschaft zurecht zu finden und wohl zu fühlen. Es ist wichtig für uns alle, Solidarität und Zusammenhalt zu fördern und den Integrationsprozess zu beschleunigen!"

Mentoring im Projekt J-u-L-I-A dient unter anderem zur Unterstützung der Jugendlichen bei der Suche nach einer Praktikums-und Lehrstelle, um dabei einen möglichst realistischen und individuellen Einblick in Berufsfelder und Arbeitswelten zu bekommen. Erfahrene Personen (MentorInnen) bieten unerfahrenen Personen (Mentees) Erfahrungen und praktische Tipps, die den Einstieg in die Arbeitswelt erleichtern. Gleichzeitig erhalten die MentorInnen durch die enge Zusammenarbeit von der speziellen und spannenden Zielgruppe der MigrantInnen einen Einblick in deren Leben und Kulturen. Ronald Großmann, Mentor eines Jugendlichen auf Lehrstellensuche, berichtete von seinen Erfahrungen.

Mehr Ressourcen schaffen und den Arbeitsmarkt öffnen

Zum Thema Arbeitsmarkt meldete sich DSA Andrea Eraslan-Weninger zu Wort: "In der Regionalen Geschäftsstelle des AMS Jugendliche in Wien hatten im Jahr 2007 65,5 % der beim AMS vorgemerkten Jugendlichen einen Migrationshintergrund. Allgemein in Wien beträgt der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund aber nur 35 %. Dies zeigt, wie
überproportional hoch die Arbeitslosigkeit bei dieser besonders benachteiligten Gruppe ist, und wie wichtig es wäre, Projekte wie in Dynamo flächendeckend anzubieten", fordert Andrea Eraslan-Weninger.

Es mangelt aber nicht nur am Angebot, sondern auch an den rechtlichen Rahmenbedingungen, ob es sich um die Auswirkungen des menschenverachtenden Asyl- und Fremdenrechts handelt oder um den fehlenden Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt. Für jugendliche AsylwerberInnen ist aufgrund eines Durchführungserlasses des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft und des Ausländerbeschäftigungsgesetzes der Zugang zum Arbeitsmarkt so gut wie nicht möglich. AsylwerberInnen sind während des Asylverfahrens zur Arbeitslosigkeit verurteilt und auf Grundversorgungsleistungen angewiesen. Jugendlichen AsylwerberInnen ist sogar der Zugang zur dualen Lehrausbildung versagt. Trotz vieler politischer Bekundungen zur Öffnung des Arbeits- und Lehrstellenmarktes für alle, die hier leben, sind viele der in Dynamo betreuten Jugendlichen vom Zugang zum Arbeitsmarkt ausgeschlossen. "So vergeht wertvolle Lebenszeit mit dem Warten auf einen positiven Asylbescheid. Jugendliche brauchen eine Zukunft! Die aktuelle
Situation ist unhaltbar und für die Betroffenen wie für die Gesellschaft die schlechteste Lösung", ist Andrea Eraslan-Weninger, Geschäftsführerin des Integrationshauses, überzeugt. (Schluss) vhs

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Mag.a Michaela Pedarnig
Pressesprecherin
Die Wiener Volkshochschulen GmbH
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E-Mail: michaela.pedarnig@vhs.at

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