Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Hoch der Frontalunterricht!"

Ausgabe vom 20. November 2008

Wien (OTS) - Es lebe die deutsche Gründlichkeit. Mit einer Riesenstudie, an der 40.000 Schüler teilnahmen, ist in allen deutschen Bundesländern dem nachgegangen worden, was es mit Pisa, dem oft zitierten internationalen Vergleich von Schulleistungen, auf sich hat. Und der Vergleich zwischen diesen 17 Ländern zeigt, worauf es wirklich ankommt. Denn dabei können die in Deutschland ja von Land zu Land unterschiedlichen Systeme erstmals unter darüber hinaus ähnlichen Rahmenbedingungen untersucht werden. Ansonsten vergleicht man ja meist finnische Äpfel mit koreanischen Kirschen und österreichischen Zwetschken. Das Ergebnis ist ein Waterloo für jene "Experten", die ständig die funktionierenden Schulen zu demolieren versuchen.

Erstens zeigt sich erneut, dass die Länder mit einem ab dem zehnten Lebensjahr differenzierten, aber sonst homogenen Schulsystem - wie Bayern und Sachsen - besser abschneiden als Gesamtschul-Länder. Zweitens sind Zentralprüfungen hilfreich. Drittens steht der Leistungsgedanke in den siegreichen Ländern viel stärker im Zentrum. Viertens sind kleine Klassen positiv. Fünftens schneiden Kinder mit Migrationshintergrund im Schnitt deutlich schlechter ab als alle anderen. Sechstens verhelfen mehr Naturwissenschafts-Stunden auch zu besseren Naturwissenschafts-Ergebnissen (und nicht eine Vermehrung der schulfreien Tage...).

Am aufregendsten ist aber die siebente Erkenntnis: Am besten schneiden jene Schulen ab, wo "ein lehrergeleiteter Unterricht mit hohen kognitiven Anforderungen" vorherrscht. Hingegen produzieren jene Schulen, die viel Zeit mit Projekterln, Forschen und Experimentieren vertun, schlechte Ergebnisse. Mit anderen Worten: Der gute alte Frontalunterricht und das ach so öde Stucken und Lernen triumphieren über allen modischen Firlefanz.

Die meisten Eltern und Lehrer, ja auch Schüler haben all das immer gewusst. Aber die Schulgesetze werden halt von Politikern, Beamten und Professoren gemacht. Zum Schaden unserer Kinder.

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Ein seltsamer Verein, diese Post. Da beschließt ein runder Tisch genanntes, rechtlich aber gar nicht vorhandenes Gremium, dass Dinge vom Tisch seien, die gar nicht wirklich auf diesem waren. Hingegen werden Dinge großartig beschlossen, die schon lange auf dem Planungstisch der Post liegen.

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