E-Control: Regulator kritisiert Panikmache der Wasserkrafterzeuger - neue Verordnung garantiert faire Lastenverteilung für alle Netzbenutzer

Wien (OTS) - Gerade die Betreiber der hoch profitablen Wasserkraftwerke sollten mehr Solidarität zeigen - Änderungen in der Tarifverordnung entlasten Konsumenten

Sehr verwundert zeigte sich Stromregulator Walter Boltz angesichts der Kritik der Wasserkraftbetreiber, die gestern in einer Pressekonferenz die neue, von der Energie-Control Kommission vor wenigen Tagen in Begutachtung gesandte Verordnung über die Stromnetztarife stark kritisiert hatten. Dem Regulator werden "massive Mehrbelastung der Erzeuger, ein Schlag gegen den Wasserkraftausbau in Österreich sowie 300 Mio. Euro an Mehrbelastungen vorgeworfen".

Nach Überzeugung der E-Control sind diese Vorwürfe völlig aus der Luft gegriffen. Die neue Verordnung garantiert vielmehr eine faire und verursachungsgerechte Verteilung der Netzkosten. Konkret bestimmt die Tarifverordnung, wie die Kosten von ca. 1,8 Mrd. Euro für das Stromnetz von den Netzbenutzern eingehoben werden. (siehe Graphik)

Die prozentuelle Verteilung der Kosten auf Verbraucher und Erzeuger zeigt anschaulich, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen die Erzeuger inkl. Pumpstrombezieher mit durchaus überschaubaren Werten belasten.

Zahler sind somit alle Netzbenutzer - vom Haushalt bis zum Großabnehmer. In der Vergangenheit wurden die heute hochprofitablen Pumpspeicherkraftwerke (die immerhin 3% des gesamten Stromes in Österreich- so viel wie alle Einwohner der Stadt Graz - verbrauchen) für die Netzstützung eingesetzt und waren daher von der Bezahlung des Netzentgelts weitgehend befreit. Heute spielen technische Netzanforderungen eine geringere Rolle. Die Speicherkraftwerke werden von den Unternehmen zur Gewinnmaximierung betrieben und sind daher meist in Zeiten des Spitzenverbrauchs in Betrieb, also dann, wenn das Stromnetz bereits massiv belastet ist.

Belastung von 300 Mio. Euro nicht nachvollziehbar

"Den gestern seitens der Vertreter der E-Wirtschaft genannten Betrag einer Belastung von 300 Mio. können wir in keiner Weise nachvollziehen und dieser ist deutlich überzogen", so Boltz. Die Betreiber der Pumpspeicherkraftwerke in Österreich werden nach Berechnungen der E-Control im nächsten Jahr für den Betrieb der Pumpanlagen bei ihren Speicherkraftwerken in Summe - also Tarife für Entnahme von Pumpstrom, sowie Netzverluste für die Einspeisung -einen Betrag von ca. 15 Mio. Euro zahlen müssen. "Warum damit der Ausbau der Wasserkraft zum Erliegen kommen soll ist für mich nicht nachvollziehbar", so Boltz weiter. Die E-Control sieht die Höhe der Belastung als einen sehr fairen Beitrag der Betreiber an - auch vor dem Hintergrund der Umsätze und Jahresüberschüsse.

Den Umsätzen und Jahresüberschüssen des Geschäftsjahres 2007 stehen geschätzte Netzaufwendungen für Pumpstromentnahme in Höhe von rund 8,8 Mio. EUR gegenüber. Eine Befreiung vom Netzentgelt ist nicht mehr gerechtfertigt. Jeder Kunde, ob Konsument oder Kraftwerksbetreiber, soll einen fairen Kostenbeitrag für den Betrieb des Stromnetzes leisten. Bleibt die Entgeltbefreiung für Wasserkrafterzeuger aufrecht, so würden die Netzkosten alle übrigen Kunden bezahlen müssen.

Faire Kostenaufteilung entlastet Konsumenten

Eine weitere Änderung der Tarifverordnung betrifft die Einführung eines Netzverlustentgelts für Kraftwerke. Aus technischen Gründen geht ein Teil des Stroms, der von einem Kraftwerk in das Netz eingespeist wird, am Weg zum Kunden verloren. Die Netzverluste betragen in Summe stolze 5% des gesamten Stromverbrauchs. Der Netzbetreiber muss diese Verluste durch den Zukauf von Energie ausgleichen. Die dabei entstehenden Kosten von 200 Mio. /Jahr werden derzeit zur Gänze auf die Endverbraucher verteilt (so zahlt derzeit ein Haushalt z.B. im Netzbereich Wien etwa 20 Euro/Jahr Netzverlustentgelt, ein Großindustrieunternehmen im Netzbereich Steiermark mit 100 GWh etwa 320.000 Euro)

Mit der neuen Tarifverordnung wird nun erstmals vorgesehen, dass auch die Stromerzeuger einen Teil dieser Netzverluste zahlen sollen. Der Betrag beläuft sich auf rund 50 Mio. EUR - rund 25% der Netzverlustkosten, die nunmehr ab nächstem Jahr auch von den KW Betreibern (=Einspeiser) zu bezahlen wären.

"Für uns steht die faire Kostenaufteilung im Vordergrund. Diese Tarifverordnung hilft die bereits von den Preiserhöhungen stark betroffenen Konsumenten zu entlasten" so Boltz abschließend.

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