"Farinelli & Söhne" im RadioKulturhaus: Erstes Countertenor Festival in Wien

Wien (OTS) - Am Montag, den 24. und Dienstag, den 25. November findet mit "Farinelli & Söhne" das erste Countertenor-Festival in Wien statt: Hohe Töne im RadioKulturhaus mit Kai Wessel, Terry Wey, Markus Forster, dem Bach Consort Wien, dem Vokal-Ensemble Cinquecento, dem Ensemble Unicorn und vielen anderen.

Carestini, Caffarelli oder Farinelli… klangvolle Namen von Kastraten des goldenen Zeitalters der italienischen Opera seria, die auch heute noch ein Begriff sind. Bereits in der späten Antike verstümmelte man Knaben noch vor dem Stimmbruch, um so ihre reinen Stimmen zu erhalten und begründete damit den späteren Siegeszug des "cantar che nell'anima si sente" - "Singen, das an die Seele rührt".

Verantwortlich für diese ungewöhnliche Entwicklung in der Musikgeschichte war die katholische Kirche. Diese interpretierte die bekannte Stelle im Brief Paulus’ an die Korinther "mulieres in ecclesiis taceant" (Kor 14,33) so, dass Frauen nicht nur als Predigerinnen schweigen sollten, sondern auch als Sängerinnen. So war es im Kirchenstaat keinen Frauen, sondern nur Knaben in hohen Lagen oder Falsettisten - Sängern mit Kopfstimme - gestattet, Lieder vorzutragen. Bald entdeckte man, dass durch eine kleine, unauffällige - wenn auch schmerzhafte und mit hohem Blutverlust einhergehende -Operation diese Knabenstimmen erhalten werden konnten.

Gepaart mit dem vollen Lungenvolumen des erwachsenen Kastraten entstanden kraftvolle und "engelsgleiche" Stimmen in Alt- oder Sopran-Lage, die auch in der Oper nach und nach sämtliche Frauenrollen übernahmen. In Rom gab es Ende des 16. Jahrhunderts in etwa 100 Kastraten, Mitte des 17. Jahrhunderts waren es bereits mehr als 200. Freilich verbot die katholische Kirche gleichzeitig die Kastration, allerdings sollte sich die dieser Verordnung widersprechende Praxis bis ins 20. Jahrhundert hinziehen. Letzter bekannter Kastrat der Sixtinischen Kapelle war Alessandro Moreschi, gestorben 1922 in Rom, von dem sogar Tondokumente erhalten sind.

Bekanntester Protagonist dieser Zunft jedoch bleibt Farinelli, eigentlich Carlo Broschi, geboren 1705 in Andria, gestorben 1782 in Bologna. Ihm zu Ehren präsentiert das ORF RadioKulturhaus an jedem der beiden Abende Musik von der Renaissance bis zur Moderne. Mit Markus Forster, Kai Wessel und Terry Wey ist es gelungen, drei Countertenöre von internationalem Rang für dieses "Festival der hohen Töne" zu engagieren. Terry Wey ist am zweiten Abend zu hören, bringt dabei sein Vokal-Ensemble "Cinquecento" mit und wird in dieser Besetzung Werke der Renaissance vortragen.

Markus Forster und Kai Wessel sind an beiden Abenden anwesend und interpretieren Werke der Moderne und des Barock. Begleitet werden sie vom Wiener Barockensemble "Bach Consort Wien" unter der Leitung von Rubén Dubrovsky, vom Ensemble Unicorn (Michael Bosch, Blockflöte, und Thomas Wimmer, Laute und Oud) und dem Konzertpianisten Luca Monti. Abschluss jedes Abends sind Werke oder das Finale einer barocken Oper in großer Besetzung. Dabei wird - als einzige Frau - die Sopranistin Maria Erlacher mitwirken.

Auch talentierte Newcomer der Countertenor-Szene werden auftreten:
Harald Maiers, Armin Gramer und Jakob Huppmann mit Werken der Romantik und Klassik. Zur Aufführung gelangen Werke von John Blow, Henry Purcell, J. S. Bach, Antonio Caldara, G.F. Händel, Hanns Eisler, W. A. Mozart, Gioachino Rossini, Clara Schumann, Antonio Vivaldi, Kai Wessel, Franz Schubert, Peter Dickinson und Benjamin Britten.

"Farinelli & Söhne" findet am Montag, den 24. und Dienstag, den 25. November im Großen Sendesaal des RadioKulturhauses statt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt: jeweils 29,-/34,-; mit RadioKulturhaus-Vorteilskarte 10% bzw. 30% Ermäßigung; Festivalpass für beide Abende (sechs Konzerte): EUR 49,-; Pressekarten unter Tel. 01 / 501 01-18175.

Weitere Informationen zum Programm des RadioKulturhauses gibt es auf der Homepage radiokulturhaus.ORF.at oder über das Kartenbüro (Tel. 01/501 70-377).(hb)

Rückfragen & Kontakt:

ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit
Barbara Hufnagl
Tel.: (01) 501 01/18175
barbara.hufnagl@orf.at
http://radiokulturhaus.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HOA0001