JUGENDVERTRETUNG: Strafbestimmungen beim Kinder- und Jugendhilfegesetz streichen!

Angedachte "Mitteilungspflicht" ist kontraproduktiv

Wien (OTS) - "Mit dem neuen Kinder und Jugendhilfegesetz wird ein längst notwendiger Schritt zur Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen gesetzt", lobt Wolfang Moitzi, Vorsitzender der Bundesjugendvertretung, den Gesetzesentwurf über die Grundsätze für soziale Arbeit mit Familien und Erziehungshilfen für Kinder und Jugendliche (kurz: Kinder- und Jugendhilfegesetz), "allerdings gibt es wichtige Punkte, in denen der Entwurf unausgegoren ist und abgeändert werden muss."

Speziell die "Mitteilungspflicht" beim Verdacht der Kindeswohlgefährdung darf für die Bundesjugendvertretung nicht Eingang ins Gesetz finden. Wolfgang Moitzi: "Diese Meldepflicht ist das klassische Gegenteil von gut gemeint: Wird diese in der vorgesehenen Form umgesetzt, kommt es unweigerlich zu einem Verlust der in der Kinder- und Jugendarbeit notwendigen Vertrauensbasis. Außerdem werden jugendgerechte Methoden wie z.B. die Peer-to-peer-Arbeit schwieriger umzusetzen sein."

Die Problematik wird an einem Beispiel deutlich:
JugendarbeiterInnen werden durch das Gesetz in einen Zwiespalt gedrängt: Vertraut sich beispielsweise ein junges Mädchen einer Jugendarbeiterin wegen eines Problems an und nimmt die Jugendarbeiterin nur an, dass dieses Mädchen Gewalt ausgesetzt ist, so müsste sie diesen Fall sofort wegen des Verdachts auf Missbrauch anzeigen. Damit hat sie aber keine Chance, auf das reale Problem einzugehen bzw. herauszufinden, ob es sich tatsächlich um einen Missbrauchsfall handelt. So kann kein Vertrauensverhältnis zwischen Jugendlichen und JugendarbeiterInnen hergestellt werden. Das ist kontraproduktiv und schreckt junge Menschen ab, die sich in der Jugendarbeit engagieren möchten.

Überdies sind die gesetzlichen Bestimmungen zu wenig ausdifferenziert: Eine Unterscheidung zwischen ehrenamtlicher und bezahlter Kinder- und Jugendarbeit kann nicht herausgelesen werden, was aber für die Praxis der Kinder- und Jugendarbeit unabdingbar ist:
"In der vorliegenden Fassung sind Jugendorganisationen und JugendarbeiterInnen von Strafbestimmungen massiv betroffen und in ihrer Arbeit eingeschränkt", kritisiert Wolfgang Moitzi. "Deshalb plädieren wir dafür, den entsprechenden Passus zu streichen und dafür die Kooperation von Jugendämtern sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen zu verstärken. Die Bundesjugendvertretung ist gerne bereit, sich an dieser Überarbeitung konstruktiv zu beteiligen."

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