Ärztekammer sieht "massiven Erklärungsbedarf" bei Hauptverband und Politik

Gebarungsprognosen stürzen Oberösterreichische Gebietskrankenkasse vom Thron - Wiener Kasse schneidet bereits besser ab

Wien (OTS) - "Es ist kaum zu glauben: Da prügelt man monatelang
auf die Wiener Ärztinnen und Ärzten ein und hält ihnen Oberösterreich als Benchmark vor - und dann das?", zeigt sich Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart "mehr als erstaunt" über die vom Hauptverband präsentierte Gebarungsprognose für die Jahre 2008 bis 2010. Demnach soll die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse 2010 einen um 740 Prozent (!) höheren Gebarungsabgang haben als 2008. In Wien hingegen wird der Gebarungsabgang der Gebietskrankenkasse laut Hauptverband in diesem Zeitraum sogar um 30 Prozent sinken. ****

"Hier besteht massiver Erklärungsbedarf: Was bitte läuft denn plötzlich schief in Oberösterreich?", fordert Steinhart eine detaillierte Aufschlüsselung vom Hauptverband, wie es überhaupt zu einer solchen Prognose kommen kann. "Die internationale Finanzkrise wird man wohl in ganz Österreich spüren, aber dass nur die OÖGKK dadurch in ein so tiefes Loch stürzt, während die Wiener Kasse mit einem blauen Auge davonkommen soll und sogar noch ihren Gebarungsabgang minimieren kann, scheint mir nicht wirklich schlüssig", so der Vizepräsident.

Steinhart vermutet, dass es noch andere Gründe für eine derartige Gebarungsprognose der OÖGKK (2008: -7,1 Millionen Euro / 2009: - 20,3 Millionen Euro / 2010: - 59,6 Millionen Euro) geben muss. "Ich habe die Führung der OÖGKK als sehr professionell kennengelernt und kann mir deshalb nur vorstellen, dass offensichtlich auch hier nur die per Gesetzgeber zu Unrecht aufgebürdeten kassenfremden Leistungen für die Defizite verantwortlich sein können", so der Vizepräsident.

Die Gebarungsvorschau für die WGKK im Vergleich: 2008: - 84,8 Millionen Euro; 2009: - 37,8 Millionen Euro; 2010: - 59,3 Millionen Euro. "Verglichen mit der OÖGKK erscheint diese Entwicklung geradezu vorbildhaft", meint Steinhart.

Von allen Seiten hat es monatelang Vorwürfe gegen die Wiener Ärztinnen und Ärzten gehagelt, sie würden zu viele Medikamente verschreiben, zu hohe Tarife verrechnen und damit die WGKK ins Minus stürzen. "Da haben sich wohl einige Gesundheitsökonomen, inklusive der Autoren des Rechnungshofberichts, massiv verschätzt", so Steinhart.

"Der Hauptverband und auch die Gebietskrankenkassen wirbeln seit Monaten mit unterschiedlichen Zahlen herum. Keiner kennt sich mehr aus - ich komme mir vor wie in einem Zauberdorf, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht und willkürlich, je nach Gusto, Laune und Situation, laufend unterschiedliche und widersprüchliche Zahlen präsentiert werden", kritisiert abschließend der Vizepräsident. (kp)

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