Ärzte fordern finanzierte Fortbildung durch den Dienstgeber

Einstimmiger Beschluss im Vorstand der Wiener Ärztekammer - Kostenübernahme von Forschung durch die öffentliche Hand

Wien (OTS) - Der Vorstand der Ärztekammer für Wien hat gestern, Dienstag, Abend einstimmig seine Forderung erhoben, wonach zukünftig sämtliche Kosten für spitalsärztliche Fort- und Weiterbildungen ausschließlich vom Dienstgeber zu bezahlen sind. Die Finanzierung der medizinischen Forschung sollte mittel- bis langfristig durch die öffentliche Hand gedeckt werden. ****

Damit soll der Einfluss der Pharmaindustrie auf Fortbildung und Forschung drastisch eingeschränkt werden. Für die Übergangszeit soll im Falle einer Drittmittelfinanzierung durch die Industrie eine Offenlegungspflicht für alle Ärztinnen und Ärzte Gültigkeit haben, ähnlich den schon bestehenden Regelungen im Wiener AKH. Eine Drittmittelfinanzierung sollte nur mehr zentral über die jeweiligen Abteilungen laufen dürfen.

Die Ärztekammer reagiert damit auf die jüngste Debatte rund um angebliche Korruptionsfälle im ärztlichen Bereich. Weiters nimmt sie Bezug auf einen kürzlich erfolgten Erlass des Generaldirektors des Wiener Krankenanstaltenverbunds, Wilhelm Marhold. In diesem Erlass wird unter anderem festgehalten, dass die Finanzierung von Tagungen und Kongressen durch Dritte (= Pharmafirma ) de facto ausgeschlossen wird.

Das hat bereits zu großer Empörung in der Kollegenschaft geführt. Thomas Szekeres, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien: "Im Klartext heißt das, dass der Kollege entweder sämtliche Fortbildungskosten alleine trägt und damit Sonderurlaub von der Gemeinde Wien erhält, oder im Zweifelsfall, und zwar auch dann, wenn er einen Drittmittelgeber findet, auf die Fortbildung verzichtet." In keiner Branche sei es üblich, dass Mitarbeiter Schulungen in der Freizeit beziehungsweise auf eigene Kosten machen müssten. "Nur uns Ärztinnen und Ärzten will man das aufs Aug' drücken."

KAV torpediert Fortbildung von Ärzten

Ein weiterer Punkt im KAV-Erlass besagt, dass zukünftig nur mehr ein einziger Mitarbeiter einer Abteilung zu einem Kongress fahren dürfe und dieser dann in einer internen Fortbildung den Kolleginnen und Kollegen berichten soll.

"Jeder, der schon einmal einen Medizinkongress besucht hat, weiß, dass dies ein völlig unsinniges Unterfangen ist", kritisiert Szekeres massiv auch diese Bestimmung des KAV-Erlasses. Unter keinen Umständen könnten die Eindrücke eines mehrtägigen Kongresses im Rahmen eines "vielleicht einstündigen Crashkurses" den Kollegen vermittelt werden. Zu befürchten sei auch, dass damit Ärztinnen und Ärzte kaum zu den benötigten Fortbildungspunkten kämen.

Die Ärztekammer werde jedenfalls das Gespräch mit der zuständigen Gesundheitsstadträtin und dem Wissenschaftsminister suchen, "um einerseits den Angriff des KAV auf die ärztliche Fort- und Weiterbildung zu stoppen und andererseits die Finanzierung medizinischer Forschung durch die öffentliche Hand zu forcieren", so Szekeres. (hpp)

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