"Kleine Zeitung" Kommentar: "Kulterers Strafe ist Warnung für alle blind spekulierenden Banker" (Von Adolf Winkler)

Ausgabe vom 19.11.2008

Graz (OTS) - Im Großen Schwurgerichtssaal in Klagenfurt hätte man eine Stecknadel fallen hören können, als Wolfgang Kulterer über die Lippen brachte, was seit vier Jahren in ihm verborgen gewühlt haben muss: Er habe 2004 den Aufsichtsrat der Hypo Group Alpe Adria über 300 Millionen Euro Swap-Verluste nicht informiert und auch in Kauf genommen, dass sie unrichtig in die Bilanz genommen werden. Er habe das "zum Schutz der Bank" gemacht, die sein "Kind" gewesen sei.

Der Paukenschlag noch vor dem Gerichtsgutachten des Grazer Wirtschaftsprüfers Fritz Kleiner bescherte Kulterer gestern ein vorzeitiges Urteil: 140.000 Euro Geldbuße wegen Bilanzfälschung und -verschleierung. Nur das späte Geständnis hat Kulterer vor einer noch härteren Strafe durch den umsichtigen Richter Christian Liebhauser-Karl bewahrt, möglicherweise sogar vor einer Gefängnisstrafe. Als härteste Strafe für Kulterer kommt das Stigma der Verurteilung als unaufrichtiger Banker hinzu.

Das - nicht rechtskräftige - Urteil gegen den Ex-Hypo-Chef ist ein Warnschuss für alle Banker, die nun rund um die Finanzkrise mit Millionenverlusten aus atemberaubenden Spekulationen konfrontiert sind. Und es ist ein schrilles Warnsignal für alle Aufsichtsorgane, wie sie mit der Kontrolle umgehen und welche Konsequenzen sie aus den Millionenpleiten ziehen. Denn der Hypo-Prozess zeigte: Bei der Bank hatten damals die internen Systeme völlig versagt. Die Verluste wurden erst erkannt, als sie die schwindelnde Höhe von über 100 Millionen Euro erreichten.

Das ist im Nachhinein überschaubar im Vergleich zu den Verlust-Blutbädern, die derzeit im Zuge der Finanzkrise quer durch die Bankenwelt erlitten werden. Auch in Österreich. Die abschreckendsten Beispiele sind die Constantia-Bank, die nach dem Einbruch der Immofinanz-Gruppe von anderen Banken und dem Staat aufgefangen werden musste, sowie die Volksbanken-Tochter Kommunalkredit. Deren Zypern-Zocker-Filiale KIL allein hat hoch riskante Swap-Positionen von über sechs Milliarden Euro angehäuft. Jetzt musste der Staat die krachende Kommunalkredit um zwei Euro übernehmen. Vorstand Reinhard Platzer, der im Oktober noch eine opulente 50-Jahre-Feier der Bank zelebrierte und sich seinen Vorstandsvertrag verlängern ließ, wurde gefeuert. Gegen Constantia-Chef Karl Petrikovics gibt es eine Strafanzeige der Finanzmarktaufsicht.

Kulterer hat die Hypo groß gemacht, aber den Ruhm verspielt. Vertuscht habe er "im Interesse der Bank". Ein Mega-Irrtum, nicht nur in Zeiten der Bankenkrise.****

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