Falter: Mutter des verschwundenen Aeryn Gillern erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei

"Desinteressiert und homophob"

Wien (OTS) - Im Gespräch mit der Wiener Stadtzeitung Falter machte die Mutter von Aeryn Gillern, des vor rund einem Jahr unter rätselhaften Umständen in Wien verschwundenen Amerikaners, im Zusammenhang mit der Suche nach ihrem Sohn der Wiener Polizei schwere Vorwürfe. "Desinteressiert und homophob" hätten sich die Polizisten verhalten, sagt Kathy Gilleran im Falter-Interview.

Aeryn Gillern, der bei der UNO gearbeitet hatte, verschwand am 29. Oktober 2007 spurlos, nachdem er nackt aus der Homosexuellensauna Kaiserbründl im ersten Wiener Gemeindebezirk gelaufen war. Laut Polizei soll er durch einen Sprung in den Donaukanal Selbstmord begangen haben.

Die Mutter, die nicht an einen Selbstmord ihres Sohnes glaubt, behauptet unter anderem, dass weder der Donaukanal noch die Wohnung Aeryn Gillerns nach Spuren eines möglichen Verbrechens durchsucht worden seien. Außerdem erwähnte Kathy Gilleran, die in den USA selbst als Polizistin gearbeitet hat, der Stadtzeitung Falter gegenüber homophobe Äußerungen und bewusst falsche Informationen der Ermittler:
So soll die Mutter gefragt worden sein, ob sie stolz darauf sei, einen schwulen Sohn zu haben. Die Polizisten hätten außerdem eine Aids-Infektion als Grund für den Selbstmord angegeben, obwohl ein HIV-Test das Gegenteil beweist. Einen Sportrucksack, den Aeryn Gilleran am Tag seines Verschwindens im Kaiserbründl liegen ließ, hätten die Ermittler nicht einmal durchsucht.

In einem Brief an US-Senatorin Hillary Clinton schrieb Kathy Gilleran: "Ich habe niemals zuvor soviel Rohheit, Grobheit und Unprofessionalität erlebt (...) Wenn ich sage, dass das Verhalten der Polizei an Sadismus grenzt, dann übertreibe ich nicht."

Der Fall Aeryn Gillern ist äußerst mysteriös: Der US-Amerikaner verschwand, ohne eine Spur zu hinterlassen. Nichts deutet auf einen Selbstmord hin. Auf dem Weg zwischen Kaiserbründl und Donaukanal am Abend seines Verschwindens, den Aeryn Gillern nackt zurückgelegt haben dürfte, sah ihn niemand.

Die Polizei sagte gegenüber dem Falter, dass die Beschwerden im Rahmen einer internen Untersuchung geklärt und danach gegebenenfalls Sanktionen ausgesprochen würden.

Autor des Artikels:
Joseph Gepp,
Falter - Redaktion Stadtleben
01/53660-959

Rückfragen & Kontakt:

Florian Klenk
Stv. Chefredakteur
Falter
Marc-Aurelstr. 9 A-1011 Wien
t: +43 1 53660 DW 924
f: +43 1 53660 DW 912

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FAT0001