SOS-Kinderdorf: Kinder sind nicht unsere Zukunft, sie sind unsere Gegenwart und haben ein Recht auf ein kindgerechtes "hier, jetzt und heute"

Innsbruck (OTS) - Anlässlich des internationalen Tages der Kinderrechte (20.11) fordern SOS-Kinderdorf und viele andere Kinderhilfsorganisationen, dass die 1989 von den Vereinten Nationen verabschiedete UN-Konvention über die Rechte des Kindes endlich in der österreichischen Verfassung verankert wird. Erst dadurch würden die in 40 Artikeln zusammengefassten Kinderrechte endlich rechtswirksam - und von wohlklingenden Absichtserklärungen zu einklagbaren und verbindlichen Kinderrechtsstandards.

Eine weitere Forderung an die Politik betrifft die geplante Novelle des Jugendwohlfahrtsgesetzes. Der Entwurf für das neue "Bundes Kinder- und Jugendhilfegesetz 2009", dessen Begutachtungsfrist am 18. November abläuft, ist für die stv. SOS-Kinderdorf-Geschäftsführerin Maria Theresia Unterlercher ein Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem sei vieles noch zu vage und unverbindlich formuliert. So fehlen etwa ein klarer Rechtsanspruch auf Leistungen der Jugendwohlfahrt und klare Regelungen der Kompetenzen und Zuständigkeiten sowie interdisziplinäre Lösungsansätze.

"Es kann und darf nicht sein", so Unterlercher, dass ein Kind oder Jugendlicher in Tirol anders behandelt wird als in Niederösterreich oder Wien. Und es kann nicht sein, dass junge Menschen in besonderen Belastungssituationen im Finanzierungs- und Kompetenzgerangel zwischen Jugendwohlfahrt, Schule, Gesundheitswesen und Justiz auf der Strecke bleiben. SOS-Kinderdorf hat seine Stellungnahme abgeliefert und hofft, dass wichtige Punkte im Gesetz noch adaptiert und zum Wohle der Kinder und Jugendlichen verbessert werden.

Recht auf kindgerechte Gegenwart

Abseits juristischer und politischer Fragen möchte SOS-Kinderdorf zum Tag der Kinderrechte auf ein anderes für Kinder fundamentales Recht hinweisen: das Recht auf eine "kindgerechte Gegenwart". Viel zu oft wird auf die Zukunft der Kinder verwiesen, wird hingenommen, dass heute noch eine Vielzahl von Kindern keine geschützte Kindheit erleben darf. Das Lobbying für eine bessere Zukunft belässt vielfach altes Unrecht, wie es ist.

Jedes Kind hat das Recht, in der Gegenwart zu leben. Im Alltag der "reichen Welt" ist überbordende Hektik schuld daran, dass Kindern jetzt und heute zu wenig Zeit und Raum, zu wenig Wärme und Würde geschenkt wird. Im Alltag der "armen Welt" führt der tägliche Überlebenskampf zu einem ähnlichen Ergebnis. Egal ob in Simbabwe, Kambodscha oder Österreich: Kinder brauchen zumindest einen Erwachsenen, der ihnen genau jetzt die Hand reicht. Einen, der sie ernst nimmt. Einen, der ihre Geheimnisse respektiert. Einen, der sie in diesem Moment gegen Gewalt, gegen Hunger, Kälte, Feuchtigkeit, Gestank und Ausbeutung schützt. Einen, der für ihr Recht eintritt, jetzt zu leben.

Recht auf ein liebevolles Zuhause

Kinder und ihre Familien in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen, gemeinsam mit ihnen Wege aus der Krise zu suchen und ihnen ein liebevolles Zuhause in Würde und Wärme zu ermöglichen, ist die zentrale Vision von SOS-Kinderdorf. Dafür setzt sich SOS-Kinderdorf seit sechs Jahrzehnten weltweit ein: sowohl in den SOS-Kinderdörfern und Jugendeinrichtungen, wo junge Menschen im Schutz und in der Geborgenheit einer Familie oder Gemeinschaft mit anderen Jugendlichen aufwachsen, als auch durch präventive Programme außerhalb der SOS-Kinderdörfer, um gefährdete Familien zu stärken und ein Auseinanderbrechen zu verhindern. Allen Bemühungen gemeinsam ist, dass Kinder ein achtsames und liebevolles Jetzt & Heute erleben dürfen - als Basis für ein geglücktes Morgen.

Das Recht auf Gegenwart, das Recht auf Liebe und Zuwendung, das Recht auf Achtsamkeit und Respekt sind keine Rechte im juristischen Sinne, sondern Grundhaltungen, die erst durch Leben und Erleben wirksam und spürbar werden. Trotzdem und gerade deshalb sind sie für jedes Kind von zentraler und wesentlicher Bedeutung. Und für dieses Wesentliche gibt es nur ein Gesetz. Das Gesetz des Handelns statt Redens.

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Viktor Trager
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