"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Post, Rechner und Populismus" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 13. November 2008

Innsbruck (OTS) - Der vom Mehrheitseigentümer Staat über die ÖIAG dominierte Post-Aufsichtsrat hat gestern das radikale Kahlschlagprogramm, welches das Aus für 1000 Postämter und 9000 Postler-Jobs bringen soll, noch nicht beschlossen. Wenig verwunderlich, weil derzeit völlig unabsehbar ist, was eben dieser Staat eigentlich will.

Da ist zum einen SPÖ-Chef und Infrastrukturminister Werner Faymann, der das Post-Horrorpaket kurzerhand an den Absender zurückschickte. Und verordnete, dass bis Mitte 2009 gar kein Postamt geschlossen werden darf. Dafür heimst er wohl ebenso viel Applaus ein wie mit seiner Attacke gegen die Post-Chefs. "Für Manager, die ihre Leistung nicht erbringen, ist Abfertigung die beste Investition." Erprobt hat Faymann das ja schon mehrfach, indem er etwa die Bosse von ÖBB und Asfinag an die Luft gesetzt hat. Versüßt mit Millionen der Steuerzahler, aber trotzdem nur mit fragwürdigem Erfolg.

Während der Fast-Kanzler Faymann gekonnt den Ober-Populisten spielt, übt sich die ÖVP wieder einmal als Buchhalter. Wie schon bei der Steuerreform, die sie jetzt doch mitbeschloss. Finanzminister Molterer und andere Parteigranden stellten sich auch noch demonstrativ hinter den ebenso glücklos wie unsensibel agierenden Post-Vorstand.

Auf Dauer werden freilich Zusperrverbote nicht ausreichen:
Flächendeckende, tägliche Post-Versorgung wird, so diese gewünscht ist, nicht zum Nulltarif zu haben sein. Dafür wird die Post (oder auch mögliche Konkurrenten) Hilfe brauchen. Sonst droht der Post wirklich ein AUA-Schicksal. Auch dort hat der Staat als Unternehmer völlig versagt.

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