Missachtung der Religionsfreiheit kann auch sehr subtil erfolgen

"Kirche in Not"-Vertreter Benedikt Steinschulte warnt vor zunehmendem Laizismus in Europa - Präsentation des neuen Sammelbands "Religionsfreiheit weltweit"

Wien, 12.11.08 (KAP) Der Kirche in Europa "bläst der Wind viel stärker ins Gesicht, als es viele Leute merken". Auf die oft sehr subtilen Einschränkungen von Religionsfreiheit gerade in manchen europäischen Ländern machte Benedikt Steinschulte, Vertreter von "Kirche in Not"-International und Mitarbeiter des Päpstlichen Medien-Rates, am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien aufmerksam. Dabei stellte Steinschulte auch den kürzlich erschienenen "Kirche in Not"-Report-"Religionsfreiheit weltweit" vor.

Steinschulte unterschied drei Arten der Verletzung von Religionsfreiheit: Es gebe die "klassische" Unterdrückung "mit dem Polizeiknüppel", weiters gesellschaftlichen Druck und Diskriminierung wie beispielsweise in Indien. Eine dritte Spielart der Einschränkung der Religionsfreiheit als Folge der Auseinandersetzung mit einem radikalen Laizismus sieht Steinschulte vor allem in Lateinamerika, aber auch in manchen südeuropäischen Ländern. Dass etwa die dramatische Verfolgung von Christen in einigen islamischen Ländern im Westen keinen allgemeinen Aufschrei und mehr Solidarität auslöst, sei bereits eine Folge dieses Laizismus.

Die Konflikte zwischen Christentum und Laizismus würden in Zukunft noch zunehmen, prognostizierte Steinschulte. Die bisherige Tendenz, das Religiöse in den privaten Bereich abzuschieben, sei nicht mehr möglich. Steinschulte: "Wenn die Christen in Europa die Religion nicht mehr im öffentlichen Diskurs halten, dann werden es die Muslime tun". Er hoffe aber auf ein "Aufwachen" der Christen, sagte Steinschulte und erinnerte an den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Österreich im vergangenen Jahr. Dabei habe der Papst die Schönheit Österreichs hervorgehoben und zugleich betont, dass diese Kultur aus einen christlichen Weltverständnis heraus entstanden sei. Steinschulte: "Wenn das nicht mehr gegeben ist, wird sich auch das Land verändern. Hier steht etwas auf dem Spiel, das auch nichtpraktizierenden Christen ein Anliegen sein sollte".

Die Kirche in Ländern wie Österreich, Deutschland und der Schweiz sei finanziell und strukturell aufgestellt, so Steinschulte. Trotzdem müsse man sich fragen, ob dem auch eine entsprechende gesellschaftliche Gestaltungs- bzw. Widerstandskraft entspricht.

14 Staaten verletzen Religionsfreiheit schwer

Schwere Verletzungen der Religionsfreiheit verzeichnet der 600 Seiten umfassende Bericht in insgesamt 14 Staaten. Neben China, Iran und Saudiarabien fallen in diese Kategorie auch Bhutan (wo der Buddhismus Staatsreligion ist) und die als Ferienziel beliebten Malediven, wo ausschließlich der Islam zugelassen ist. Insgesamt werden für 60 Staaten Einschränkungen der Religionsfreiheit festgestellt.

Allgemein sei die Tendenz feststellbar, dass Christen vor allem aufgrund der sozialen Sprengkraft der christlichen Botschaft verfolgt würden. Diese stelle etwa für die chinesische Führung oder radikale Hindus eine große Bedrohung dar, so Steinschulte. Wörtlich sagte er:
"Es geht um Macht und die Frage, ob mehr Religionsfreiheit eine Gesellschaftsreform mit sich bringt und gegebene Machtstrukturen infrage stellt".

Dem Islam attestierte Steinschulte ein generelles Problem mit dem Begriff der Religionsfreiheit. Ob interreligiöser Dialog hier zu einer anderen islamischen Sichtweise führen kann, sei zu hoffen, aber fraglich. (forts.mgl.)
K200810270
nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0006