Republikausstellung im Parlament eröffnet Prammer: Ohne Geschichtswissen kein Demokratiebewusstsein

Wien (PK) - Am 12. November 1918 wurde vor dem österreichischen Parlament die erste Republik ausgerufen. Was liegt also näher, 90 Jahre später im Parlament, dem Zentrum der Demokratie, diesem Neubeginn nach der Katastrophe des 1. Weltkriegs sowie der historischen Entwicklung in den folgenden neun Jahrzehnten zu gedenken. Unter dem Titel "Republik.Ausstellung 1918/2008", soll im Rahmen einer von Stefan Karner und Lorenz Mikoletzky gestalteten Ausstellung interessierten Besucherinnen und Besuchern die Zeitgeschichte näher gebracht werden. Die Ausstellung wurde heute in Anwesenheit von Bundespräsident Fischer von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Vizekanzler Wilhelm Molterer eröffnet.

Die zahlreichen gezeigten historischen Dokumente beleuchten die Entwicklung der Republik Österreich umfassend, mit allen wesentlichen Kontinuitäten und Brüchen. Man kann dabei den schwierigen Weg der Republik, die zunächst kaum einer als lebensfähig erachtete, von ihren historischen Wurzeln bis zur EU-Integration verfolgen. Im Gegensatz zu 1918 bis zum 2. Weltkrieg ist das Österreichbewusstsein heute fest verankert und wird nicht mehr in Frage gestellt. Österreich ist eine gefestigte Demokratie, aktives Mitglied der Europäischen Union und der internationalen Staatengemeinschaft, und wird bald wieder im Sicherheitsrat der UNO vertreten sein.

Nicht nur einschneidende historische Ereignisse, etwa die Ausschaltung des Nationalrats 1933, die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 und die Unterzeichnung des Staatsvertrags 1955 stehen im Fokus der Ausstellung, es werden auch Themen wie Wirtschaft und Technik, Bildung, sozialer Zusammenhalt, die Stellung der Frau in der Gesellschaft und das alltägliche Leben aufgegriffen.

Nähere Informationen über die Republikausstellung sind auf der Internetseite www.republikausstellung.at zu finden.

Prammer betont Bedeutung der politischen Bildung

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ging in ihrer Begrüßung auf die Symbolkraft des Parlamentsgebäudes für die historischen Entwicklungsstufen der Republik ein, vom Beschluss des Gesetzes über die Republik Deutsch-Österreich" und die Kundgebung vor dem Parlament am 12. November 1918, über die Einführung des Frauenwahlrechts, die Annahme der Bundesverfassung am 1. Oktober 1920, die Ausschaltung der parlamentarischen Demokratie im März 1933 und die Funktion des Parlamentsgebäudes als Gauhaus des Reichsgaues Wien von 1938 bis 1945.

Explizit unterstrich sie die Notwendigkeit, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. "Ohne Wissen um Geschichte gibt es kein Demokratiebewusstsein und kein Bewusstsein für künftiges Handeln", sagte Prammer und zitierte den amerikanischen Philosophen und Schriftsteller George Santayana mit der Feststellung: "Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen". Um dem Schwinden von politischem Interesse entgegenzuwirken, brauche es daher Geschichtsbewusstsein, wozu die Ausstellung einen Beitrag leiste, es brauche aber auch politische Bildung und Zivilcourage jedes Einzelnen.

Die parlamentarische Demokratie sei das sensibelste Gebilde aller Regierungsformen, betonte die Nationalratspräsidentin, deshalb müsse es Ziel jeder politischen Bildung sein, das Selbstverständnis der Demokratie und die Anerkennung demokratischer Grundsätze im Bewusstsein zu verankern. Es müsse deutlich gemacht werden, dass Demokratie mehr ist als die Summe der in der Verfassung vorgesehenen Institutionen. Angesichts der neuen gesellschaftlichen Entwicklungen und neuen Aufgaben auf nationaler und internationaler Ebene dürfe somit der Rückblick nicht als Schlussstrich unter die vergangenen 90 Jahre gesehen werden, sondern soll vor allem auch Anreiz sein, sich mit dem Wissen um die Vergangenheit Gedanken über die Zukunft unserer Republik zu machen.

Die Eröffnung der Ausstellung anlässlich der Gründung der Republik stellt einen weiteren Höhepunkt in diesem historischen Gedenkjahr dar. Bereits am 12. März dieses Jahres erinnerte das Parlament in einer Gedenksitzung im Historischen Sitzungssaal an den Einmarsch deutscher Truppen auf Befehl Hitlers vor 70 Jahren (siehe PK-Meldung 226/2008). Am 9. November gedachte man im Palais Epstein des Novemberpogroms 1938. (Fortsetzung)

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