Chemische Industrie rechnet mit Konjunkturflaute

Trotz erfreulicher Zuwachsraten im ersten Halbjahr 2008 pessimistische Zukunft - Auftragseingänge stürzen ab

Wien (PWK850) - Trotz eines erfolgreichen ersten Halbjahres (Umsatzplus von 10 Prozent) blickt die chemische Industrie pessimistisch in die Zukunft und stellt sich auf eine Schwächephase ein, die 2009 deutlich zu spüren sein wird. Der seit Jahren andauernde Aufwärtstrend bei den Auftragseingängen ist mit dem Spätsommer abgerissen und um elf Prozent zurückgegangen. Das Exportwachstum im ersten Halbjahr 2008 liegt seit langem wieder unter dem Inlandsumsatz. Mit der Finanzkrise als zusätzlichen Dämpfer rechnet die chemische Industrie für das nächste Jahr daher mit einer anhaltenden Konjunkturflaute.

Halbjahresbilanz 2008: Umsatz steigt - dramatischer Auftragseinbruch in Nicht-EU-Ländern

Hinsichtlich der Umsatzsteigerung kann die chemische Industrie von einem erfolgreichen ersten Halbjahr 2008 sprechen: der Produktionswert ist im ersten Halbjahr 2008 um 10 Prozent gestiegen. Alle Branchen liegen im Plus, zum Teil mit deutlich zweistelligen Zuwachsraten. Besonders positiv ist die Wachstumsrate für anorganische Chemikalien und Agrochemikalien. Weniger erfreulich sind sie hingegen bei Waschmittel / Kosmetik, Pharmazeutika sowie Kautschuk und Kunststoffwaren.

Sorge bereitet der Absturz bei den Auftragseingängen. Diese sind bis Juli 2008 um 10,6 Prozent zurückgegangen. Ein dramatischer Einbruch zeigt sich vor allem bei den Nicht-EU-Ländern, bei denen die Auftragseingänge um 35 Prozent gesunken sind. Für das Gesamtjahr 2008 rechnet die chemische Industrie mit einem Umsatzplus von 6 bis 7 Prozent.

Exporte erstmals seit langem nicht mehr Motor der chemischen Industrie

Die Exporte nahmen im ersten Halbjahr um 5,7 Prozent zu und sind damit erstmals seit langem schwächer als der Inlandsumsatz gestiegen. Die größten Zuwächse verzeichneten Italien, Polen, Ungarn und der Nahe und Mittlere Osten. Weniger erfreulich liefen die Exportgeschäfte mit Großbritannien, der Schweiz und den USA.

Steigende Strom- und Ölpreise haben chemische Industrie Österreichs belastet

Zusätzlich belastend für die chemische Industrie sind die stetig steigenden Strom- und Ölpreise. Seit 2000 haben sich die Strompreise in Österreich verdoppelt. Die europäische Industrie muss etwa doppelt so hohe Stromkosten tragen wie die der USA. Die steigenden Ölpreise wirken sich auf die Vormaterialien der chemischen Industrie aus. Rohstofflieferanten erhöhen ihre Preise immer öfter in Quartalsschritten. So stieg etwa der Ethylenpreis in Europa vom 4. Quartal 2007 bis zum 3. Quartal 2008 um 30 Prozent. Die jüngsten Entwicklungen in Richtung sinkende Ölpreise werden sich kurzfristig zwar positiv auf die chemische Industrie auswirken - allerdings wird dieser Effekt durch den steigenden Dollarpreis relativiert. Die chemische Industrie rechnet damit, dass im 4. Quartal 2008 der Tiefpunkt erreicht ist und der Ölpreis 2009 wieder ansteigen wird.

Ausblick 2009: starker Konjunkturdämpfer - wichtige Abnehmerbranchen rutschen ins Minus

Der Einbruch bei den Auftragseingängen und der zusätzliche Dämpfer infolge der Finanzkrise lässt die chemische Industrie pessimistisch in das nächste Jahr blicken. Diese Einschätzung wird auch von der aktuellen Fachverbands-Konjunkturumfrage bestätigt, die einen stagnierenden Inlandsumsatz für 2009 prognostiziert. Rund zwei Drittel der Befragten fürchten für die nahe Zukunft eine gravierende Nachfrageschwäche. Große Schwierigkeiten bereiten außerdem die hohen Lohnkosten und die steigenden Energiepreise.

Die Einschätzungen des europäischen Chemieverbandes verdeutlichen, was auf die chemische Industrie zukommen wird: wichtige Abnehmerbranchen (Automobil, Textilien, Holz, Papier), die 2007 noch deutlich im Plus waren, rutschen 2008 ins Minus und bleiben auch 2009 dort. (us)

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