FVMI: Fragen und Antworten zum Mineralölmarkt

Wien (OTS) - Seit Sommer 2008 sind bei Benzin und Diesel deutliche Preisrückgänge auf den internationalen und heimischen Ölmärkten zu beobachten. Immer wieder tauchen jedoch in diesem Zusammenhang falsche oder halbwahre Behauptungen und Vorwürfe gegen die Mineralölunternehmen auf. Rund um dieses Thema hält daher der Fachverband der Mineralölindustrie zusammenfassend seine Position und Antworten zu regelmäßig gestellten Fragen fest.

Wie entwickelten sich die Treibstoffpreise in den vergangenen Monaten?

Deutliche Preisreduzierungen bei Benzin und Diesel sind seit Anfang Juli an den österreichischen Tankstellen zu beobachten. Ein Liter Eurosuper kostete Anfang Juli im österreichweiten Durchschnitt knapp 1,35 Euro. Der Liter Diesel kostete durchschnittlich bis zu 1,43 Euro. Gemessen am Höchststand ist Benzin mit Stand 11. November um 28 Cent billiger und Diesel um 30 Cent pro Liter billiger als noch Anfang Juli. Somit sind die Kraftstoffpreise in den vergangenen Monaten deutlich gesunken.

Wie liegt der österreichische Treibstoffpreis im EU-Vergleich?

Nicht nur in den Nachbarländern Italien und Deutschland tanken die Autofahrer teurer als in Österreich. Wöchentliche EU-weite Preisvergleiche bescheinigen dem österreichischen Markt derzeit Zapfsäulenpreise, die bei Benzin in der Regel um 10 bis 14 Cent und bei Diesel um 4 bis 6 Cent unter dem EU-Durchschnitt liegen. In mehr als der Hälfte aller EU-Länder müssen die Autofahrer an den Zapfsäulen mehr für Treibstoffe bezahlen.

Warum sinken die Treibstoffpreise nicht im selben Ausmaß wie die Rohölpreise?

Die Veränderungen des Rohölpreises können nicht direkt den Zapfsäulenpreisen an den heimischen Tankstellen gegenübergestellt werden. Rohöl ist ein Rohstoff, der unabhängig vom Treibstoffpreis auf internationalen Märkten gehandelt wird und aus dem zahlreiche verschiedene Produkte hergestellt werden - unter anderem auch Treibstoffe.

Benzin und Diesel sind aufwendig weiterverarbeitete und veredelte Produkte. Auch daher können die Produktenpreise sich nie um dieselben Prozentsätze verändern, wie die Rohstoffpreise. Steigende oder sinkende Rohölpreise schlagen sich jedoch - zumeist mit einer zeitlichen Verzögerung - in einem gewissen Umfang in den internationalen Produktenpreisen nieder.

Rechenbeispiel: Im Jänner 2007 betrug der durchschnittliche Rohölpreis (OPEC-Basket) 50,73 USD/bbl. Im Juli 2008 - wo es das bisher höchste Preisniveau bei Rohöl gegeben hat - waren es 131,22 USD/bbl, eine prozentuelle Veränderung von plus 159 %. Die Treibstoffpreise an der Zapfsäule bewegten sich im Jänner 2007 für Ottokraftstoff bei 0,98 bis einem Euro und für Dieselkraftstoff bei 0,92 bis 0,94 Euro pro Liter. Würde eine Veränderung der Rohölpreise direkten Einfluss auf die Pumpenpreise an den Tankstellen haben, wäre das Preisniveau im Juli 2008 bei den Kraftstoffen bei 2,40 bis 2,50 Euro/Liter gelegen, was nachweislich bei weitem nicht der Fall
war.

Rohöle und Mineralölprodukte werden weltweit meist in Dollar gehandelt. Die sich ständig ändernden Wechselkurse und die Schwankungen des Dollars, der zuletzt um 20 bis 25 Prozent gegenüber dem Euro stieg, wirken sich daher ebenfalls auf das Preisniveau der Treibstoffe in Österreich aus.

Die Zapfsäulenpreise hängen von verschiedensten internationalen Kosten- und Marktfaktoren ab und sind oft unterschiedlichen nationalen Verbrauchs- und Umsatzsteuern unterworfen. In Österreich enthält der Treibstoffpreis an der Tankstelle Umsatzsteuer und Mineralölsteuer. Die Mineralölsteuer ist eine Verbrauchssteuer, bei der ein vom Produktpreis unabhängiger fixer Steuersatz pro Liter zur Anwendung kommt. Dieser verändert sich nicht mit den Preisentwicklungen am Markt. Daher muss die prozentuelle Veränderung des Zapfsäulenpreises auch aus diesem Grund gegenüber dem Rohölpreis rein rechnerisch immer einen weit kleineren Prozentsatz ergeben.

Die öffentliche Belastung bei den Treibstoffen durch Umsatz- und Mineralölsteuer beträgt derzeit bei Benzin 58 % und bei Dieselkraftstoff etwa 48 %, im gewichteten Durchschnitt zahlen die Konsumenten mehr als die Hälfte vom Zapfsäulenpreis an den Staat.

Wie kann es sein, dass Diesel derzeit teuer ist als Benzin?

Für die Preisdifferenzen von Diesel im Vergleich zu Normal- und Superbenzin sind die internationalen Produktnotierungen am europäischen Spotmarkt in Rotterdam mit dem Grundsatz von Angebot und Nachfrage ausschlaggebend. Diesel und Normal- bzw. Superbenzin werden getrennt gehandelt. Auch die in Österreich günstigere Besteuerung von Diesel durch die Mineralölsteuer gegenüber Benzin im Ausmaß von 9,5 Cent/Liter reicht nicht aus, um Diesel derzeit auf das oder unter das Niveau von Benzin zu bringen.

Wie ist der Status in der aktuellen Lieferknappheit bei Diesel?

Die zuletzt in Einzelfällen verlängerten Lieferzeiten bei Diesel waren auf die hohe Nachfrage und auf technische Gegebenheiten, wie Niederwasser auf der Donau und Wartungsarbeiten, insbesondere in Raffinerien im süddeutschen Raum, zurück zu führen. Das oberste Ziel der Mineralölunternehmen ist es, die tägliche Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Mineralölindustrie hat die zum Teil angespannte Versorgungssituation bereits wieder großteils behoben. Der Vorwurf an die Mineralölfirmen, eine Dieselverknappung zur Beeinflussung des Preisniveaus absichtlich herbei geführt zu haben, muss auf das entschiedenste zurückgewiesen werden.

Wie hängen Rotterdamer Notierung und Diesel- bzw. Benzinlieferung an die Tankstellen zusammen?

Alle, auch die langfristigen Versorgungsverträge der Mineralölunternehmen, basieren auf den Rotterdamer Notierungen und werden diesen angepasst. Preiserhöhungen und Preissenkungen am Rotterdamer Markt werden nach einem kurzen Marktbeobachtungszeitraum an die österreichischen Konsumenten weitergegeben. Die intensive Konkurrenzsituation am heimischen Tankstellenmarkt ließe ein anderes Marktverhalten gar nicht zu. Der Vorwurf, der von Autofahrerklubs gerne in Richtung Mineralölunternehmen vorgebracht wird, dass internationale Preiserhöhungen in einem stärkeren und schnelleren Ausmaß als Senkungen weitergegeben werden, konnte weder im Rahmen von Untersuchungen noch von Fachexperten bestätigt werden. Vielmehr ergaben die Analysen über einen längeren Beobachtungszeitraum, dass das Ausmaß bei beiden Bewegungen ähnlich ist und sich die österreichische Mineralölwirtschaft nicht vom internationalen Markgefüge abkoppeln kann.

Über den FVMI

Der Fachverband der Mineralölindustrie (FVMI) ist eine bundesweite Fachorganisation im Bereich der Wirtschaftskammer Österreich und als gesetzliche Interessenvertretung Bindeglied zwischen Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mitglieder sind österreichische Unternehmen, die Rohöl aufsuchen und fördern (upstream), in Pipelines transportieren (midstream) und in eigenen oder konzernverbundenen Raffinerien verarbeiten sowie Mineralölprodukte vertreiben (downstream).

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle Fachverband der Mineralölindustrie
ikp - Kommunikationsplanung und Öffentlichkeitsarbeit
Maria Wedenig
Liechtensteinstraße 12/10 1090 Wien
Tel.: +43 1 5247790-16
Email: maria.wedenig@ikp.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FVM0001