"Das kostet jetzt noch 75 Euro für die Lieferung"

AKNÖ kritisiert versuchte Kundenabzocke durch Veranstalter von Werbefahrten

Wien (AKNÖ) - Nicht einmal zuhause lassen die Veranstalter von Werbefahrten die ReiseteilnehmerInnen in Ruhe. AKNÖ-Konsumentenschützerin Christa Hörmann unterstützte eine Pensionistin dabei, vom Kaufvertrag zurückzutreten - und wurde Zeugin eines unangenehmen Zustellversuchs.

"Die 50 Euro Anzahlung bekommen Sie von mir auf keinen Fall zurück. Da müssen Sie schon nach Holland schreiben, an die Firma, wo Sie es gekauft haben", reagierte der Zusteller, als die Kundin ihn informierte, dass sie vom Vertrag zurücktrete. Die 77-Jährige hatte wenige Tage davor eine "orthopädische Matratzenauflage" und eine "Vitaminkur Q10 aktiv" um 1.100 Euro bestellt. Wie viele andere hatte sie auf einer Werbefahrt der S&K-Busreisen teilgenommen. Es hätte an den Neusiedler See gehen sollen. "Wir sind vom Bus direkt in eine Verkaufspräsentation in Sopron verfrachtet worden, wo wir mehrere Stunden festgesessen sind. Von Fisch- und Grillfest wie im Prospekt keine Rede", sagt AKNÖ-Konsumentenschützerin Christa Hörmann. Sie ist inkognito bei der Reise mitgefahren und unterstützte die Pensionistin beim Rücktritt vom Kaufvertrag. "Bei dieser Frau zum Beispiel haben die Präsentatoren ausgenutzt, dass sie alt ist, schlecht hört und Rückenbeschwerden hat. Alleine hätte sie sich nicht getraut, von dem Kaufvertrag zurückzutreten".

Bevor der Zusteller die Wohnung der Pensionistin verließ, versuchte er noch eine "Gebühr" einzutreiben. "Er wollte 75 Euro und als wir gesagt haben, dass das nicht gezahlt wird, hat er mit dem Anwalt gedroht", zeigt sich Hörmann empört. "Laut heimischem Recht hätte er nach dem Vertragsrücktritt den Zustand vor Abschluss herstellen müssen. Eine Gebühr dürfte er nicht verlangen". Die Vorgangsweise ist nicht unbekannt. "Die Präsentatoren kenne ich schon vom Werbefahrtveranstalter Sonja Reisen. Nachdem der Veranstalter mit Behörden und mit uns Probleme hatte, hat man offenbar den Namen gewechselt. Interessant ist übrigens, dass die neue S&K-Busreisen laut meinen Informationen keine Genehmigung hat, Busreisen durchzuführen", sagt Hörmann. "Die vielen Partnerfirmen, deren Produkte sie angeblich verkaufen, gibt es oft nicht einmal auf dem Papier. So wie die niederländische Firma, an die die Frau die Anzahlung geleistet hat. Die arbeiten mit komplizierten Konstruktionen, um zu verhindern, dass man gegen sie vorgehen kann".

Fahrt ins Ausland neue Masche

Die Fahrten ins Ausland sind eine neue Masche. "Seit der Gewerberechtsnovelle gibt es bei uns fast keine Veranstaltungen mehr, viele Anbieter weichen ins benachbarte Ausland aus", sagt Hörmann. Das macht es für die Konsumentenschützer schwieriger, gegen sie vorzugehen. "Unsere Behörden fühlen sich nicht zuständig, bei den Behörden in den Nachbarländern gibt es oft die Sensibilität nicht", schildert Manfred Neubauer von der AKNÖ-Abteilung für Konsumentenschutz. "Wir brauchen zwischenstaatliche Abkommen, die es ermöglichen, gegen diese Veranstalter vorzugehen. Das sollte in der EU wohl möglich sein", fordert Neubauer.

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