"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Milch-Protest ist berechtigt" (Von PETER NINDLER)

Wien (OTS) - Langsam schwillt einem der Hals: Die EU schützt die Großen und fährt über die Kleinen drüber. Das ist beim Transit so wie auch in der Landwirtschaft. Freie Fahrt für Lkw heißt die Devise in der Kommission, die gleichzeitig die schrankenlose Milchproduktion fördert. Und diese geht auf Kosten der Tiroler (Berg)Bauern. Denn die Produktionskosten im Berggebiet sind für die im Vergleich zur Agrarindustrie mickrigen Milchkontingente um ein Vielfaches höher als im holländischen, englischen, deutschen oder französischen Flachland.

Bisher wurden unsere Landwirte durch Kontingente geschützt, die Industriebauern konnten Österreich nicht mit ihrer preisgünstigeren Turbokuh-Milch überschütten. Jetzt werden die Kontingente schrittweise aufgehoben, der Preisdruck steigt. Schon derzeit können die Bauern mit Erzeugerpreisen von 40 Cent/Liter kaum ihre Produktionskosten decken. Und die Tendenz geht bereits in Richtung 30 Cent. Der Protest ist deshalb berechtigt, obwohl Blockaden selten etwas bringen und die Politik eher verhandeln denn blockieren sollte.

Zu lange wurde den Handelsketten vertraut, die zwar gerne mit der Marke Tirol werben, aber wenn es darauf ankommt, Molkereien und Bauern "Cent"-mäßig herpressen. Milch wird als Lockmittel verwendet, um den Appetit auf andere Produkte anzuregen. Dass hinter einem Liter Milch jedoch mehr steckt als ein Verkaufspreis von 59 Cent, wollen die Manager nicht wahrhaben: Schweiß, kein Urlaub und Existenzen.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass der EU und dem Handel die Bauern eigentlich egal sind. Leider.

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