"Kleine Zeitung" Kommentar: "In der Krise geht die Saat für ein neues Wirtschaftswachstum auf" (Von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 12.11.2008

Graz (OTS) - Die Nachrichten aus der Wirtschaft sind schauderhaft. Im Finanzbereich haben weltweit Zigtausende Beschäftigte ihre Jobs verloren, in der Autoindustrie gibt es Kündigungen und Kurzarbeit. Der Stahlbranche stehen wegen sinkender Nachfrage Preissenkungen bevor, die Folge ist, dass auch hier Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze zittern werden müssen. Man könnte noch etliche Beispiele anführen, um zu illustrieren, wie prekär die Lage ist und um zu verdeutlichen, wie schlecht es vielen wohl gehen muss.

Doch es gibt auch einen Lichtblick. Namhafte Wirtschaftsforscher, nicht nur in Österreich, sind zuversichtlich und drücken ihre Erkenntnis prägnant aus: Jede Krise findet ein Ende - über die akute werde man in eineinhalb Jahren nicht mehr reden. Diese Worte klingen aufmunternd, die Fakten schaffen Rückhalt.

Die Impulse für frisches Wachstum kommen nicht aus Europa, den USA oder Japan, sie kommen aus Regionen, in denen die Wirtschaft und damit Beschäftigung, Investitionen und Konsum nach oben drängen. Das sind in erster Linie Asien und der arabische Raum, dann auch Südamerika und Russland. Profitieren von der Entwicklung werden auch die Industrieländer im Westen.

Nachfrage ist ausreichend vorhanden. Im arabischen Raum, vor allem in den reichen Emiraten am Golf, wächst die Wirtschaft jährlich um sechs, sieben Prozent, in China, Indien und Südostasien sind es deutlich mehr, etwa zehn Prozent. Der Abschwung schwappte auch auf diese Regionen über: Vor ein, zwei Jahren lagen die Wachstumsraten bei 15, 16, 17 Prozent.

Waren und Güter, die im Orient in großen Mengen benötigt werden, können dort gar nicht produziert werden, weil es noch an Kapazitäten fehlt. Sie werden in Europa, den USA, Japan, in Südamerika eingekauft und bringen die Wirtschaft in diesen Regionen auf Trab. Anlagenbauer in Österreich sind mit Aufträgen aus Asien gut eingedeckt.

Der Blick für die Realität soll jedoch nicht getrübt werden. Die Industrieländer müssen erst einmal das Jahr 2009 überstehen und Rückgänge in der Auftragslage, Absatzprobleme, Stagnation bei Investitionen und dadurch Konkurrenzfähigkeit und eine Rezession durchtauchen.

Die Versuchung für Unternehmen, die Krise zu nutzen, um Redimensionierungen, sprich Rückschnitte, leichter umsetzen zu können, wird natürlich größer. Die Chancen, im wirtschaftlich überschaubaren Rahmen von eineinhalb Jahren auf Touren zu kommen, steigen solcherart jedoch nicht.****

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