Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Post, Politik, Porzellan"

Ausgabe vom 12. November 2008

Wien (OTS) - "Für Manager, die ihre Leistung nicht erbringen, ist Abfertigung die beste Investition." Werner Faymann, in Kürze Bundeskanzler der Republik, hat damit sicher recht. Prinzipiell. Er hat als Minister eine solche Investition schon ein paar Mal getätigt, bei Bahn und Asfinag wurde der gesamte Vorstand mit hohen Kosten entfernt. Die Rendite dieser Investition blieb jedoch aus. Selbst wenn man das übliche Mobbing der Gewerkschaft gegen Vorstände in Staatsfirmen ernst genommen hätte, kann dort von Qualitätsverbesserung heute keine Rede sein.

Aber Faymann hat ja gar nicht von seinen vergangenen Fehlern gesprochen, sondern von der Gegenwart. Da hätte er etwa vom ORF reden müssen - dessen Defizitprognose von Monat zu Monat in die Höhe schnellt. Ohne dass das wie gelähmt wirkende Management etwas Sinnvolles dagegen täte. Aber der ORF war auch nicht gemeint. Denn der liegt ja brav auf Parteilinie. Sondern das Management der Post -weil dieses im Gegensatz zum ORF angesichts zu erwartender Bedrohungen rechtzeitig handeln will (sich aber nicht das Wohlwollen der Parteien und Massenmedien erkauft hat).

Noch ein zweites, im Prinzip richtiges Faymann-Zitat: "Es besteht tatsächlich die Gefahr, dass die Post zur AUA wird." Die Politik zieht daraus jedoch die absolut falschen Folgerungen. Denn gerade die AUA steht heute deshalb so trist da, weil sich die Politik viel zu viel eingemischt hat. So wie sie es nun bei der Post will. Aktienrecht hin oder her.

Beispiele gefällig: Die AUA wurde von der Politik (insbesondere von Rudolf Streicher) gezwungen, die pleite geflogene Lauda Air samt ihren Mega-Schulden zu übernehmen. Die AUA wurde von der Politik (insbesondere den Sozialpartnern Verzetnitsch und Leitl) gezwungen, allen - auch den unter anderer Marke fliegenden - Mitarbeitern den hohen AUA-Kollektivvertrag zu zahlen, womit sie im Wettbewerb mit den Billigfliegern total abstürzen musste. Die AUA war ständig mit schädlichen öffentlichen Stänkereien von Politikern konfrontiert. Und der AUA-Verkauf wurde zeitlich nicht betriebs- oder volkswirtschaftlich optimiert, sondern wegen des Endes der Legislaturperiode zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt angesetzt.

Die Manager hätten sich gegen all das gewiss mehr wehren müssen. Aber bei solchen Eigentümern, die ständig Porzellan zerschlagen, wären wohl auch die besten Manager der Welt hilflos.

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