ANSCHOBER: Risiken der Gentechnik durch österreichische Langzeitstudie erneut bewiesen

Umweltlandesrat fordert sofortigen Zulassungsstopp bei gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln auf EU-Ebene

Linz (OTS) - Heute Vormittag wurden in Wien von Prof. Jürgen
Zentek und Dr. Alberta Velimirov die Ergebnisse eines zweijährigen Fütterungsversuchs mit einer gentechnisch veränderten Maissorte bei Labormäusen präsentiert. "Die Ergebnisse müssen uns als deutliche Warnung dienen," so LR Anschober, "denn sie zeigen, dass der untersuchte GV Mais schädlich auf die Reproduktionsfähigkeit bei Tieren wirkt." Die Tiere, die gentechnisch verändertes Futter gefressen haben, hatten sowohl weniger Nachkommen als auch Nachkommen mit geringerem Gewicht. Diese Befunde treten aber erst nach einer längeren Versuchszeit - wie in diesem Fall 140 Tage - auf.

Wenn man bedenkt, dass dieser gentechnisch veränderte Mais für den lebenslangen Konsum für junge und alte Menschen zugelassen wurde, so ist klar, dass auch die 140 Tage-Studien nur eine sehr kurze Zeitspanne umfassen.

"Das ist ja einer meiner Hauptkritikpunkte: bis heute existieren keine Ergebnisse einer Langzeit-Risikoforschung", kritisiert LR Anschober. "Es ist Zeit aufzuwachen und die Regeln des Zulassungsverfahrens neu zu überdenken, denn diese Effekte wurden im Zulassungsverfahren nicht erkannt.
Es liegt hier ein systematisches Versagen vor, denn die zuständige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ignoriert seit Jahren entsprechende Ergebnisse oder setzt einseitig auf die Studien der Antragsteller", so der Umweltlandesrat.

Wieviele Warnungen braucht es noch, bis Europas Behörden reagieren?

Langzeitversuche werden seit Beginn der Gentechnik-Diskussion von vielen WissenschaftlerInnen eingefordert, gehören jedoch nicht zu den behördlich vorgeschriebenen Untersuchungsmethoden.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat diesen gentechnisch veränderten Mais NK603xMon810 am 13.Oktober 2005 bewertet und für sicher befunden. Er ist seit 24.10.2007 EU-weit als Lebens- und Futtermittel zugelassen.
Geradezu grotesk ist hierbei, dass die EFSA im Zulassungsverfahren die sonst übliche 90 Tage-Kurzeitstudie (sub-chronischer Test) nicht für notwendig erachtet hat. Es wurde lediglich eine 42 Tage-Futterverwertungsstudie durchgeführt - die jedoch keine toxikologische Studie darstellt.

LR Anschober: "Die EFSA ist offenbar nicht willens, eine Risikoüberprüfung durchzuführen, die diesen Namen auch verdient. Alle bisher in der EU zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen beruhen auf einer positiven Begutachtung durch die EFSA."

"Unsere Forderungen sind klar: sofortiger EU-weiter Zulassungsstopp für gentechnisch veränderte Pflanzen und eine Reform der Zulassungsbehörde EFSA. Der EU-Umweltministerrat am 4. und 5. Dezember 2008 bietet dafür eine Chance. Ich fordere Umweltminister Pröll auf, sich dort für den Schutz der Bevölkerung vor GVOs und eine verbesserte Risikoüberprüfung einzusetzen", so der Umweltlandesrat.

Die Forderungen im Detail:
1. Ein sofortiger EU-Zulassungsstopp von gentechnisch veränderten Pflanzen, insbesondere Futtermittel und Lebensmittel.
2. In dieser Nachdenkpause sollen die Methoden im Zulassungsverfahren überdacht werden, offenbar sagen die bisherigen angewendeten Tests nicht die ganze Wahrheit.
3. Reform der EFSA - Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit wehrt sich seit Jahren gegen eine Verbesserung der Zulassungsprüfung. Die heutigen Ergebnisse zeigen, dass die EFSA die KonsumentInnen Europas Gefahren aussetzt.
4. Bestehende Zulassungen (die auf den veralterten Methoden basieren) sind einzufrieren und ein Importstopp für gentechnisch veränderte Futtermittel zu erlassen, bis diese mit den gleichen Risikoabschätzungsmethoden von unabhängigen Institutionen überprüft worden sind.
5. Ausweitung der Risikoforschung in Österreich durch die Etablierung eines Institutes für Risikoforschung

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