Studenten-Diskussion "Denkanstöße zum Qualitätsjournalismus"

MedienGewerkschaft KMSfB bei Europa-Aktionstag in Graz

Wien (KMSfB/ÖGB) - "Denkanstöße zum Qualitätsjournalismus" gab die Medienge-werkschaft KMSfB bei einer Diskussion mit Studenten der Fachhochschule Joan-neum am Freitag in Graz anlässlich des europaweiten Aktionstages "Stand up for journalism". In der bedenklichen Entwicklung überbordender Kommerzialisierung, sinkender Qualität, schlechter Bezahlung und schlechter Arbeitsbedingungen sei Österreich leider keine Ausnahme, sagte der frühere Chefredakteur der "Kleinen Zeitung", Dr. Erwin Zankel: Anstelle der Information befinde sich die Unterhaltung im Vormarsch, Sachthemen gerieten in den Hintergrund, TV-beeinflusst werde alles personalisiert und auf Konflikt ausgerichtet. Die Kronenzeitung betreibe eine "Boule-vardisierung, die mit Journalismus nichts mehr zu tun hat" und Unternehmer wollen mehr Rendite sehen. All dies bringe Qualitätszeitungen unter Druck, meinte Zan-kel.++++

"Journalismus ohne Qualität ist kein Journalismus mehr, sondern nur mehr Ge-schreibsel. Damit würde den Berufs-Journalisten nichts mehr vom sogenannten Bür-ger-Journalismus unterscheiden", nannte der Vizevorsitzenden der Mediengewerk-schaft KMSfB, Michael Kress, den Kern der Kampagne "stand up for journalism": "Auf deutsch: Wir stellen uns für guten Journalismus auf die Hinterhaxen!" Kress nannte fünf Punkte, die der Qualitäts-Journalismus benötigt, darunter korrekte und ausreichende Bezahlung. "Freie Mitarbeiter sollen die Ausnahme und nicht die Re-gel sein, denn wer am Hungertuch knabbert, ist für unkritische Berichterstattung er-pressbar". Auch angehende Journalisten dürfen nicht ausgebeutet werden: "400 Eu-ro im Monat für einen Volljob eines Praktikanten ist eine Sauerei - das ist weniger, als eine Putzfrau kriegt," kritisierte Kress.

Der neue steirische Landesobmann der KMSfB-Sektion Kommunikation und Publi-zistik, Georg Krendlesberger warf zum Thema die Frage auf, ob heimische Medien Qualitätsvergleiche mit FAZ und NZZ aushalten und stellte auch die Frage der Ob-jektivität ("wie objektiv ist etwa ‚Onkel Hans’ gegenüber Werner Faymann?"). (schluss)

FOTO bei Bedarf anfordern bei: michael.kress@mediengewerkschaft.at FOTO: Johann Zugschwert (Abdruck bei Namensnennung honorarfrei)

Diskutierten beim europaweiten EFJ-Aktionstag "stand up for journalism" in Graz-Andritz mit Studenten über "Denkanstöße zum Qualitätsjournalismus" (v.r.n.l.): Chefredak-teur Dr. Erwin Zankel, Landessektionsvorsitzender Georg Krendlesberger und KMSfB-Vizevorsitzender Michael Kress. (schluss Bildtext)

ÖGB, 11. November 2008 Nr. 647

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